SF Drensteinfurt – DJK Coesfeld     3,5:0,5

Drensteinfurt spielt im kommenden Jahr NRW-isch!!

Nachdem im vergangenen Jahr nicht nur die Liga aufgrund der Pandemie pausieren musste, sondern auch der Viererpokal ausfiel, durfte in dieser Saison wieder eine Auslosung des großen K.O.-Turniers stattfinden. Doch die aktuelle Situation fordert in Sachen Teilnehmerzahl immer noch seinen Tribut. Nachdem vor einigen Jahren auf der Bezirksversammlung entschieden wurde, dass Vereine sich aktiv melden müssen, um für den Viererpokal mit ausgelost zu werden, ist die Teilnehmerzahl bereits leicht zurück gegangen. Klar, dass sich dieser Trend, während Corona sein Unwesen treibt, noch verstärkt hat. So ergab es sich, dass in diesem Jahr nur vier Mannschaften in den Lostopf geworfen wurden. Dementsprechend handelt es sich bei der ersten Runde schon direkt um das Halbfinale!


Um die Angelegenheit noch ironischer zu machen: von den vier Teilnehmern würden sich drei Mannschaften für die nächste Runde auf NRW Ebene qualifizieren. Damit haben wir nun einen ausführlichen Eindruck von dem aktuellen Turnier im Allgemeinen und es wird Zeit, die aktuelle Runde im Speziellen zu betrachten.
Die Auslosung hätte wohl nicht ausgeglichener ausfallen können. Während wir den Liga-Konkurrenten aus Coesfeld empfangen dürfen, treffen im Parallelspiel die beiden Favoriten aus Münster aufeinander. Somit war bereits im Vorhinein klar, dass der Gewinner unseres Kampfes einen Platz für NRW sicher haben würde, der Verlierer im Spiel um Platz 3 hingegen einen sehr hoffnungslosen Stand einnehmen werde. Mit anderen Worten: wenn wir wirklich nach NRW wollen, dann müssen wir für dieses Spiel die maximale Power an die Bretter bekommen. Hinter diese Aufgabe konnte Captain Tilly direkt schonmal einen Haken setzen, da er die nominell ersten drei Bretter um sich versammeln konnte. Somit nahmen wir gegen die Ersatzgeschwächten Coesfelder zumindest schonmal die Favoritenrolle ein. Doch nur weil man von der Pole startet, heißt das noch nicht, dass man auch nach der ersten Kurve noch vorne liegt (wer am darauffolgenden Tag Motorsport verfolgt hat, weiß sicherlich, was gemeint ist). Genug des Vorberichts; kommen wir zu den Partien.
Den Start haben wir alle sehr gut erwischt. Das heißt im Klartext, dass Andre und Bernd mit den weißen Steinen direkt aus der Eröffnung einen Vorteil verbuchen konnten und Tilly und ich mit den schwarzen Steinen relativ mühelos ausglichen. In Tillys Fall möchte ich hier sogar von mehr als nur Ausgleich sprechen. Sein Gegner hat eine etwas unkonventionelle Eröffnung ausgepackt. Da Tilly von ebendieser aber bereits in der Vergangenheit überrascht wurde und sich außerdem an die richtige Antwort erinnern konnte, fand Tilly sich recht früh in einer sehr komfortablen Situation wieder: Um positionell nicht direkt schlecht zu stehen, spuckte sein Gegner einen Bauern, ohne großartige Kompensation.
Kommen wir nun zu den besagten Vorteilen unserer Weißpartien. Bernd spielte eine sehr ruhige Partie, in der er die bessere Bauernstruktur für sich reklamieren konnte und seine Schwerfiguren auf der halboffenen c-Linie versammelte. Ein Durchbruch am Damenflügel lag hier förmlich in der Luft. Gleichzeitig erwischte Andre seinen Gegner auf dem falschen Fuß. Ein merkwürdiger Damenzug von Andres Gegner sollte eigentlich den Laden zusammenhalten. Die erschreckende Wahrheit: der Zug hat die Läuferdiagonale a4-e8 nur noch schwächer gemacht und ein plötzlich auf d5 auftauchender Bauer besiegelte das Schicksal des gefesselten Springers auf c6.
Und wie sieht es so bei mir aus? Ich habe mir morgens noch vorgenommen, nichts wildes spielen zu wollen. Man kann geteilter Meinung sein, ob das ein Erfolg ist oder nicht, aber genau das habe ich erreicht. Die Läufer wurden früh abgetauscht und die Könige beider Seiten suchten Schutz am Königsflügel. Als Konsequenz ergab sich eine recht entspannte Partieanlage, in der ich am Damenflügel hätte spielen können, während mein Gegner seine Vorteile im Zentrum hätte ausspielen müssen. Doch aus Mannschaftsdienlicher Sicht war meine Aufgabe klar: ein Remis muss her, um Unsicherheit aus dem Kampf zu bekommen.
Kurze Erklärung hierzu: Nach meiner Einschätzung müsste Andre in absehbarer Zeit eine Figur und dann vermutlich auch die Partie gewinnen. Dementsprechend hieße ein Remis an Brett 1, dass ein weiteres Remis an 3 oder 4, nach Berliner Wertung, den sofortigen Sieg bedeuten würde. Auf der anderen Seite hieße eine Niederlage an Brett 1, dass wir (wenn man nur Bretter 1 und 2 betrachtet) ins Hintertreffen geraten würden.
Meine Konsequenz aus dieser Überlegung bestand also darin, Remis zu bieten, bevor die Partie am Ende womöglich doch noch in Schwung kommen würde. Zu meiner Überraschung nahm mein Gegner das Remis sofort an. Seine Einschätzung für einen Coesfelder Sieg war wohl deutlich pessimistischer als meine. Auf meine Nachfrage, ob er das Annehmen des Remis Angebots für richtig hielte, meinte er schließlich nur: „Naja, besser den halben Punkt mitnehmen, als am Ende zu null zu verlieren!“ (0,5:0,5)
Das nächste Ergebnis fand dann tatsächlich an Brett 2 statt. Zunächst fiel die Figur erwartungsgetreu. Danach war Andres Gegner so durch den Wind, dass er einen Damen-Einschlag auf f7 übersah und schließlich ging noch ein Zentrumsbauer verloren, weil der eigentlich deckende Bauer gefesselt war. Kurz und knapp: ein rabenschwarzer Tag für Andres Gegner. (1,5:0,5)
Damit hatte sich die vorab beschriebene Situation eingestellt und ein kleines Remis würde uns genügen. Jedoch standen inzwischen Tilly und Bernd beide viel zu gut, um noch Remis machen zu können. Bernd konnte Material gewinnen, indem sich seine Schwerfiguren, unterstützt von einem Springer, auf der c-Linie durchsetzten. Ein Damentausch war ein zusätzlich nettes Beiprodukt. Zugegebenermaßen kam Bernd noch einmal kurz in Verlegenheit, nachdem sein Gegner ein Scheinopfer auspackte und somit etwas Material zurückbekam. Jedoch hat dieses Manöver die Stellung auch gleichzeitig vereinfacht und Bernd konnte einen gefährlichen Freibauern verbuchen. Außerdem stellte sich nach weiteren Abtäuschen der ursprüngliche Status quo wieder ein: In einem Turm + ungleichfarbige Läufer-Endspiel durfte Bernd die Rolle mit 2 Mehr-Freibauern einnehmen. Auch wenn die Läufer ungleichfarbig sind; die 2 Freibauern machen hier das Rennen, dank des Turms. (2,5:1,5)
Zu guter Letzt bleibt damit noch Tillys Partie. Den Mehrbauern aus der Eröffnung konnte Tilly bis tief ins Mittelspiel mitnehmen. Zudem erhielt Tillys Gegner einen Isolani auf d4, der durch einen gegnerischen Springer blockiert war. Als Ausgleich bekommt die Isolani-Partei häufig starken Königsangriff. Aber auch der war in diesem Fall nicht sonderlich Furcht einflößend. Zusammengefasst heißt das: Tilly hat einen Bauern mehr und sein Gegner hat alle Nachteile einer Isolani-Stellung ohne die gleichzeitigen Vorteile zu bekommen. Zu allem Überfluss setzte sich wenig später auch noch Tillys Bauernmajorität am Damenflügel in Bewegung. Eine schwache Grundreihe auf der weißen Seite begünstigte das Vorrücken noch zusätzlich, bis die Umwandlung nicht mehr zu verhindern war. Das wollte Tillys Gegner dann nicht mehr mit ansehen. (3,5:0,5)

Alles in allem konnten wir damit unserer Favoritenrolle gerecht werden und sozusagen einen Start-Ziel-Sieg einfahren. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte befinden wir uns also im Viererpokal-Finale. Das andere Halbfinale ist bisher noch nicht gespielt worden, aber die Karten sind hier ganz klar verteilt, egal wie es ausgeht. Denn in der Vergangenheit haben wir gegen beide Kontrahenten nicht gut ausgesehen. Es wird hart!

Yannic Bröker