SF Drensteinfurt 1        -    SK Dülmen 3    5:3


Das genaue Gegenteil zum ersten Spieltag...

und die Leidtragenden sind die Dülmener. Am Samstag empfingen wir die dritte Mannschaft aus Dülmen. Tilly war aufgrund eines Konzerts verhindert, weswegen ich den Mannschaftsführer übernehmen durfte. Wurde ich bei der Begrüßung, bei der ich verkündete, dass wir für das Überwintern gerne noch ein paar Punkte gegen den Abstieg anfressen wollen, noch belächelt, sah es nach gut einer Stunde schon wirklich schlecht für uns aus. Bernd erklärte mir später, dass er eine Eröffnung auf dem Brett hatte, die er sich wohl in all den Jahren nie richtig angeguckt hatte und dementsprechend schien die Eröffnung auch zu verlaufen. Bei Joscha sah es so aus als hätte er gutes Angriffsspiel, allerdings war der Damenflügel gnadenlos unterentwickelt. Johann hatte einen Bauern weniger und auch wenn sein Angriff sehr bedrohlich wirkte, hielt aus meiner Sicht gerade der stark stehende Läufer des Gegners die gesamte Stellung zusammen. Bei Werner hatte ich die meisten Sorgen, da hier die Bauern des Gegners gut gesichert im feindlichen Lager standen und Werners Stellung komplett einschränkten. Bei Roland, Paul und Marco schien alles sehr ausgeglichen zu sein. Wirklich Vorteile sah ich lediglich bei mir, da ich früh einen Bauern gewinnen konnte. Auch wenn dies bedeutete, dass ich etwa 20 mal mit der Dame ziehen musste (in den ersten 15 Zügen). Insgesamt sind wir wohl nicht besonders gut aus den Startlöchern gekommen. Als Bernd mir draußen auch noch Panik machte, weil er meinte, neben sich Marco anstelle von Joscha sitzen gesehen zu haben, war die erste Halbzeit des Spieltages komplett gelaufen.

Den Anfang machte dann nach etwa 2,5 Stunden Roland. Ich hatte kurz vorher noch gesehen, dass sein Gegner ihm den vordersten Bauern aus der Kette klauen konnte, weil sein c3 Bauer nicht wiedernehmen konnte. Hinter diesem stand seine gefesselte Dame. Dadurch konnte sein Gegner mit den Türmen in die Stellung eindringen und ließ dann nichts mehr anbrennen (0 : 1).

Wenig später willigte Paul in ein Remis ein. Sein Gegner meinte an diesem Tag wohl gar nichts zu sehen und auch wenn ich nicht all zu viel von dieser Partie mitbekommen habe, war das Spiel meiner Einschätzung nach immer in Remisbreite (0,5 : 1,5).

Auf einmal ging es dann schnell. Werners Gegner hatte ein Mattnetz aufgestellt und irgendwie schien Werner doch noch entkommen zu können, allerdings wanderte der König irgendwo nahe des Zentrums bei noch fast allen Figuren auf dem Brett umher, sodass Werner schließlich aufgeben musste. Und auch bei Johann hatte sich was getan. Ich hörte nur wie sein Gegner sagte, dass er dachte, alles unter Kontrolle zu haben (was zuletzt auch meine Einschätzung war) aber Johann das einfach stark gespielt hätte. Johann konnte demnach seinem Gegner einen ganzen Punkt abnehmen (1,5 : 2,5).

Auf einmal schien sich der Mannschaftskampf zu drehen. Während ich lange zittern musste, nachdem sich mein Gegner überlegt hatte, lang zu rochieren und somit die inzwischen zwei Mehrbauern bei einem Königsangriff gar nicht so ausschlaggebend sind, hatte sich bei mir der Nebel langsam gelichtet und ein sehr gutes Endspiel erschien am Ende des Tunnels. Gleichzeitig näherte sich auch Bernds Stellung wieder in Richtung Remis. Bei einem Minusbauern ging es in ein Turmendspiel, in dem er den besseren König hatte. Bei Marco schien immer noch alles recht ausgeglichen, obwohl er meiner Meinung nach mit seiner Dame immer schön Richtung König schielte. Als nächster war allerdings dann Joscha fertig. Wir fanden später heraus, dass sein Gegner über ein Schach schon in der Eröffnung einen Läufer von Joscha fangen konnte, dies aber wohl übersehen haben muss. In ansonsten aussichtsloser Lage stellte Joscha eine Falle, indem er mit dem Turm ein Schach gab. Der Gegner nahm diesen Turm mit seinem Läufer raus und übersah wohl, dass dadurch die Linie für Joschas Dame frei wurde. Somit ergab sich auf dem Brett ganz überraschend ein zweizügiges Matt (2,5 : 2,5).

Nun war ich an der Reihe. Aus zwei Mehrbauern wurde ein dritter, die Damen tauschten sich und als dann auch noch der Läufer des Gegners fiel, hatte er verständlicher Weise genug (3,5 : 2,5).

Die Überraschung schien zum Greifen nahe. Noch ein voller Punkt und wir würden sogar als Sieger aus dem Rennen hervorgehen. Allerdings hatte Marco in Zeitnot einen Bauern verloren und stand unter Druck. Gleichzeitig hatte Bernd inzwischen ein Bauernendspiel mit aktiverem König und gleicher Bauernanzahl erreicht. Ich weiß nicht genau wie Marco seinen Gegner überzeugen konnte, aber hier einigte man sich dann doch auf Remis und es stand nun 4:3. Ein guter Ausgangspunkt, da ich Bernds Stellung nun so einschätzte, dass die Partie nur noch Zugunsten desjenigen ausfallen dürfte, der nicht versucht den Sieg zu erzwingen. Da Bernds Gegner genau in dieser Situation war (also dass er für die Mannschaft gewinnen musste), schickte er einen seiner drei Bauern am Königsflügel vor. Dies war der Fehler, den Bernd brauchte. Er tat dasselbe und obwohl er die Minorität auf diesem Flügel hatte, reichte dies zum Durchbruch, da seine Bauern bei einem gewöhnlichen Tausch deutlich vorher ins Ziel laufen würden. Statt dessen gab es noch eine Variante in der Bernd plötzlich mit einem Bauern auf f6 und einem auf d5 übrig blieb und er mit dem König alle Zeit der Welt hatte, um die Bauern seines Gegners zu schlucken. Schließlich wäre der jeweils andere Bauer durchgelaufen, falls der gegnerische König auf einen der beiden Bauern zugelaufen wäre (5 : 3).

An diesem Spieltag hatten wir einfach wahnsinniges Glück. Während wir am ersten Spieltag mit viel Vorteil aus den Startlöchern gingen und dann alles wegwarfen, lief es dieses Mal genau anders herum. Damit stehen wir mit 5 von 6 Punkten nach drei Spieltagen auf Platz 2 und müssen uns wohl um den Klassenerhalt kaum noch Sorgen machen.

Yannic Bröker