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SF Drensteinfurt 1    -     Ind. Dame Münster    3,5:4,5

Zum Abschluss keine Punkte, Leistung in Ordnung

Zum letzten Spieltag der Saison empfingen wir die Tabellenführer aus Münster. Nachdem wir zuletzt nicht besonders gut gepunktet hatten, war das einzige Ziel, noch einmal ein paar anständige Partien auf die Bretter zu bekommen. Unsere Gegner hingegen wollten durch das Holen von mindestens einem Punkt den ersten Tabellenplatz sichern. Tatsächlich waren diese aber viel weniger verbissen als man hätte erwarten können. Das wurde uns spätestens klar, als die erste Vorhut ankam und einer der Gegner vor Marco stehen blieb, schwungvoll seine Hand zum Abschlagen hinhielt und gut gelaunt "Marco alte Scheune" rief. Bei so einer Begrüßung macht der ganze Mannschaftskampf direkt viel mehr Spaß!

Nach nicht allzu langer Zeit konnte unser Joker Finn den ersten Punkt für uns verbuchen. Sein Gambit wurde angenommen, nicht korrekt erwidert und schon wenig später sah Finn eine sehr schöne Kombination, die ihm eine ganze Figur einbrachte. Der Rest war dann nur noch Formsache, wobei ein kleiner Wehmutstropfen blieb: Finn erzählte uns später, dass er bei einer etwas anderen Antwort des Gegners auch ein Matt nach Damenopfer hätte haben können, was ihm aber verwehrt blieb (1:0).

Leider sah es trotz der frühen Führung gar nicht so gut für uns aus. An manchen Brettern sah ich zwar leichte Vorteile, die vermeintlich spielentscheidenden Vorteile sah ich aber eher bei manchen Gegnern. So kam auch relativ zeitig schon der Ausgleich.
Thomas kam heute einfach nicht gut aus der Eröffnung. Schon sehr früh konnte man quer durch den Raum hören: "Aaach, ich wollte doch den anderen Bauern nehmen." Wenig später kam dann noch hinzu, dass sein Gegner ein Springeropfer auspackte, um die Fesselung (Lb5 fesselt Sc6 mit Dame d7 und König e8) aufrecht zu erhalten. So eine Fesselung aufzulösen kostet viel Zeit und daher war bereits klar, dieser Springer würde nie wieder ziehen. Folgerichtig dauerte es nur noch ein paar Züge, bis Thomas auch der Rest der Stellung nicht mehr spielbar erschien und er aufgab (1:1).

Nach diesen beiden doch sehr frühen Entscheidungen dauerte es etwas länger, bis sich wieder etwas tat. Doch dann war der Mannschaftskampf schon beinahe entschieden. Etwa gleichzeitig wurde an Marcos und Bernds Brett Remis vereinbart und Heribert musste seinem Gegner gratulieren. Marco sah ich eigentlich recht stark aus der Eröffnung raus. Doch wie das diese Saison so häufig schon passiert ist, erkannte dies auch sein Gegner und tauschte schnell Marcos starke Figuren ab und in der entstehenden Stellung war nicht mehr viel Potential (1,5:1,5).

Bernd hatte eine ganze Zeit einen Bauern weniger, wobei dieser Mehrbauer für seinen Gegner auch nicht so einfach zu halten war. Irgendwann wollte dieser den Mehrbauern doch lieber wieder abgeben, um nicht ständig darauf aufpassen zu müssen. Doch auch hier war nach dem Wiedergewinn des Bauern alles ausgeglichen (2:2).

Auf Heriberts Brett haben sich recht früh viele Figuren getauscht, allerdings war das Brett noch voll von Bauern. Aus irgend einem Grund habe ich trotzdem erst nur gesehen, dass Heribert einen Minusbauern hatte. Erst beim zweiten oder dritten Blick wurde mir klar, dass er außerdem noch eine Qualität weniger hatte. Da zu diesem Zeitpunkt bereits das Endspiel in vollem Gange war, stand Heribert komplett mit dem Rücken zur Wand. Er versuchte sich noch ein bisschen zu verteidigen, doch in solchen Endspielen ist man einfach verloren (2:3).

Warum ich bei diesem Stand schon der Meinung war, dass der Mannschaftskampf so gut wie verloren war, lag daran, dass ich natürlich auch einen Blick auf die übrigen Bretter geworfen hatte. Während ich zwar besser stand, sah es sowohl bei Tilly als auch bei Werner nicht so aus, als würden wir noch zwei volle Punkte holen, zumal meine Partie auch noch alles andere als klar gewonnen war. Zumindest einen halben Punkt konnte Tilly dann aber beisteuern.
So richtig gut erschien mir seine Eröffnung nicht und noch interessanter war, dass er in der Stellung lang rochierte. Im Mittelspiel geriet Tilly etwas unter Druck und verlor einen Bauern. Der große Lichtblick aber war, dass dies der h-Bauer war und somit die Turmlinie auf den gegnerischen König frei wurde. Insgesamt war das Tillys Gegner wohl zu heiß und man einigte sich hier auf Remis (2,5:3,5).

Kurz vor der Zeitkontrolle wurden dann die beiden übrigen Partien entschieden. Werner stand schon früh stark unter Druck. Bereits nach etwa einer halben Stunde drohte sein Gegner mit einem Springer in die etwas löchrige Stellung auf f6 oder h6 einzufallen. Auch hier resultierte aus dem andauernden Druck, dass Werner einen Bauern verlor. Danach verteidigte Werner lange Zeit sehr stark, jedoch gelang es seinem Gegner über die lange Diagonale von b2 aus, in Werners Königsstellung einzufallen und dann flog alles auseinander. Später fanden wir zusammen noch einen Weg wie Werner die Stellung durch einen stark stehenden Springer sowie eine Dame, die jederzeit bereit ist, ein Dauerschach zu geben, vermutlich hätte Remis halten können. Doch das hätte wohl keiner von uns am Brett gefunden (2,5:4,5).

Zu dem Zeitpunkt hatten sowohl mein Gegner als auch ich kaum noch Zeit, weswegen ich nur schnell die vielen Zuschauer fragte: ob es jetzt bei uns nur noch um die goldene Ananas gehen würde. Obwohl die Antwort "ja" war, wollte ich mir zu dem Zeitpunkt noch ein paar Züge angucken. Mein Gegner spielte in der Eröffnung etwas zu passiv, weswegen sich seine Springer irgendwann doch auf der ersten Reihe wiederfanden. Wie auch Tilly rochierte ich lang, aber im Wissen, dass ich sehr gutes Spiel auf dem Königsflügel haben würde, während mein Gegner kaum Gegenspiel am Damenflügel haben würde. Somit war er die ganze Zeit zur Verteidigung gezwungen.
Es ist wirklich ein Wunder, dass ich mich bei der starken Stellung am Ende doch in einem materiell ausgeglichenen Endspiel wiederfand. Da meine Frage nach der Ananas aber zu einem Zeitpunkt stattfand, zu dem wir besagtes Endspiel mit sehr starkem Läufer auf meiner Seite gegen einen Springer auf h1 erreichten, wollte ich mir noch ein paar Züge ansehen. Die Entscheidung stellte sich als richtig heraus, denn wenig später waren meine verbundenen Freibauern nicht mehr aufzuhalten und mein Gegner gab auf (3,5:4,5).

Auch wenn wir verloren haben, war der Spieltag wieder ein wenig erfreulicher als die vorherigen. Zum einen darf man gegen den Tabellenersten durchaus verlieren zum anderen war der Kampf alles in allem auch nicht so eindeutig.
Die Saison konnten wir Schluss endlich sogar nur als sechster abschließen, da Senden und die beiden Verfolger alle punkten konnten. Als Fazit aus der Saison kann man aber vielleicht ziehen, dass man entweder von vornherein nach dem Aufstieg jagt oder es dann nicht nur halbherzig, in dem Wissen, dass man sein erstes Saisonziel bereits erreicht hat, machen sollte. Denn ansonsten verliert man eventuell die letzten drei Spiele und rutscht von Platz 1 runter bis auf Platz 6!
   
Yannic Bröker