SF Greven 2 - SF Drensteinfurt 1    1:7

Zum zweiten Spieltag der Saison durften wir den langen Weg bis nach Greven antreten. Da bei Bernd unter der Woche Einiges dazwischen kam und auch Christophe keine Zeit hatte, benötigten wir an diesem Tag Ersatz. Da traf es sich ganz gut, dass Arne bereitstand, um sein Debüt für die erste Mannschaft zu geben.
Wie schon beim letzten Mal waren wir erneut nominell der klare Favorit. Doch auch wenn das Ergebnis wohl darüber hinwegtäuschen mag: die Grevener, die in der näheren Vergangenheit noch zwei Ligen unter uns gespielt und einen direkten Durchmarsch von der Kreisklasse in die Bezirksklasse hinter sich haben, verkauften sich wesentlich besser als erwartet. Hat doch der ein oder andere im Vorhinein noch auf eine verlängerte dritte Halbzeit gehofft, mussten wir an diesem Tag mit etwa 5 Stunden fast die volle Distanz gehen. Aber nun zu dem eigentlichen Spiel!

Mein erster Rundgang hat mich dieses Mal kein bisschen schlauer gemacht. Alle sind soweit gut aus der Eröffnung gekommen, aber an keinem Brett konnte ich etwas Verwertbares sehen; weder für noch gegen uns. Erst beim zweiten Rundgang hatte ich das Gefühl, dass sich bei manch Einem eine Tendenz abzeichnete:

Maurice hatte einen Bauern mehr und Arne und Jo genauso. Außerdem standen Marco, Tilly und Andre sehr aktiv. Der einzige Wermutstropfen: David hatte eine Figur für einen Bauern gespuckt. Und wie sah es bei mir selbst aus? Die ersten Züge liefen absolut top für mich und ich habe erst ein Tempo und dann das Läuferpärchen auf der Habenseite verbuchen können. Ein bisschen zu übermütig spielend, habe ich aber meine weißen Felder geschwächt und stand gelinde gesagt am Abgrund…

„Na gut“ dachte ich: jetzt einfach gucken, dass ich da irgendwie heile rauskomme und die Mannschaft scheint das schon zu regeln. Diese belohnte mich und natürlich vor allem sich selbst für diese sehr positive Einstellung bereits wenig später. Und so haben mit Maurice, Andre und Marco gleich drei unserer Spieler innerhalb sehr kurzer Zeit ihre Partien zu eigenen Gunsten entscheiden können.

Maurice hat früh einen Bauern gewonnen. Dem gesellte sich dann auch wenig später noch ein bisschen mehr Material hinzu. Mit deutlich mehr Material und einer Dame, die Mustergültig die Nähe des gegnerischen Königs gesucht und gefunden hat, konnte Maurice seinem Gegner souverän den Punkt abnehmen. (0:1)

Bei Andre habe ich gar nicht mitbekommen, wie so schnell die Partie zu Ende gehen konnte. Aber anscheinend hat er erst einen Bauern gewonnen und als er drohte auch noch den nächsten Bauern zu gewinnen, wurde sein Gegner zu nervös. Die Folge: er hat in der Hoffnung auf Dauerschach eine Qualität geben wollen, fand sich aber plötzlich im Mattnetz wieder. (0:2)

Auch Marcos Figuren konnten den König seines Gegners niederringen. Wir wissen alle, dass, wenn Marco einmal mit seinen Springern an der Haustür des gegnerischen Königs klopft, dass es dann gefährlich wird. Wenn dann auch noch die Läufer gescheit in Position kommen, kann man hier häufig auf den vollen Punkt hoffen; so auch heute. (0:3)

Auf der anderen Seite musste David allerdings die Waffen strecken. Schon relativ früh hat David sehr unglücklich eine Kombination übersehen und so seinen ungedeckten Läufer verloren. Sein Gegner hat das Spiel dann recht abgebrüht abgewickelt. Erst ging das Ganze in ein Endspiel mit Turm und Läufer gegen Turm und einen Mehrbauern. Dann verlor David auch noch den Mehrbauern und spätestens jetzt ist es nicht nur schwer, sondern unmöglich. Ein paar Bauern konnte David noch runtertauschen, vermutlich in der Hoffnung mit Turm gegen Turm und Läufer noch Remis zu halten, aber in die Situation ist er am Ende nicht gekommen. (1:3)

Nachdem also bereits die Hälfte der Partien nach verhältnismäßig kurzer Zeit zu Ende gegangen sind, war es immerhin leichter den Überblick zu behalten. Den will ich natürlich auch nicht vorenthalten:
Wir benötigen noch 1,5 Punkte für einen Sieg, Tilly hat zwar nichts Zählbares aber steht gut. Ich habe das Gröbste zu diesem Zeitpunkt bereits überstanden. Arne hat eine Figur mehr. Und Jo hat ebenfalls Mehrmaterial und seinen Gegner habe ich vorher bereits witzeln gehört: „Euer Mann hat meinen Königsinder mal komplett auseinandergenommen. Mein König steht da nur noch im Sommerkleid.“

Bei so einer Aussage gehe ich bei einem Routinier wie Jo davon aus, dass er das nach Hause bringt. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. (1:4)

Den ersten Mannschaftspunkt haben wir also schon einmal. Für den zweiten Punkt sorgte dann Captain Tillkorn persönlich. Wie bereits rauszuhören war, stand Tilly die ganze Zeit sehr aktiv. Irgendwann ist sein Gegner wohl unter dem Druck zusammengebrochen. Jedenfalls konnte Tilly erst zwei Bauern gewinnen und nachdem er sich in einem Endspiel mit gleichfarbigen Läufern und zwei Mehrbauern wiederfand, konnte er auch noch einen dritten Mehrbauern verbuchen. Wenn dann auf beiden Flügeln die Freibauern anfangen zu laufen, ist das auch für einen Läufer zu viel. (1:5)

Ab diesem Moment war klar, dass es für Arne und mich nur noch um die goldene Ananas ging. Jedoch waren inzwischen beide Partien dermaßen gewonnen, dass jedem klar sein muss, dass man das zu Ende spielt. Jedoch haben unsere Gegner noch lange gezappelt und mussten noch mit etwas Kraftaufwand bis zum Matt, bzw. bis einen Zug vor Matt, niedergerungen werden. Dieser Kraftakt gelang Arne eine viertel Stunde eher als mir.
Arne hatte eine wirklich wilde Partie. Erst hat er einen Bauern gewonnen. Dann hat er durch einen Läufer-Doppelangriff mit Schach eine Figur verloren. Diese konnte er aber durch einen gefesselten Springer wieder gewinnen. Weil der Gegner etwas übertrieben auf diese Fesselung reagiert hat, konnte er nicht nur die Figur zurückgewinnen, sondern bekam direkt eine weitere Figur für zwei Bauern. Zwischendurch ist bei diesem Abtausch aber auch ein Bauer des Gegners gefallen und weil ich nun alle verwirrt habe, einmal in leicht:

Arne hat erst einen Bauern mehr. Dann hat er einen Bauern für eine Figur. Dann hat er sogar zwei Bauern mehr und Schließlich eine glatte Figur mehr.
Aber damit noch nicht genug. Da er zu viel Angst vor den gegnerischen Turmangriffen hatte, spuckte Arne wenig später die Mehrfigur wieder aus und bekam dafür erst zwei und später einen dritten Bauern. Das resultierende Turmendspiel mit drei Mehrbauern ist aber nun einmal klar gewonnen gewesen und das hat Arne sich auch nicht mehr nehmen lassen. (1:6)

Wie schon beim letzten Mal durfte ich den Schlusspunkt setzen. Nachdem ich die bösen Springer-Läuferangriffe auf meine geschwächten weißen Felder überlebt hatte, konnte ich meine Bauern auf der c- und d- Linie ans Laufen bringen und wenig später fanden diese sich als verbundene (Mehr-)Freibauern auf der sechsten Reihe wieder. Das sieht dann nicht nur bedrohlich aus; das ist dann für den Gegner auch einfach undankbar. Man weiß, dass jeder Zug schlecht ist und man einfach nicht mehr rauskommt und doch muss man irgendwas machen. Selbst der Qualitätsgewinn meines Gegners kann in so einem Fall nichts mehr am Ergebnis ändern:

Mein Läuferpärchen deckt die Bauern und nachdem beide Bauern die siebte Reihe erreicht hatten, sah sich mein Gegner gezwungen erst einen Springer für den einen und dann einen Turm für den anderen Bauern zu geben. Verrechnen wir das mit dem vorherigen Qualitätsgewinn und den zwei Mehrbauern, heißt das einfach: „glattes Mehr-Läuferpaar“. Das muss natürlich immer reichen. Aber mein Gegner hat mir sogar noch erlaubt, nach langer Zeit mal wieder die Raute auf das Partieformular zu schreiben. (1:7)

Alles in allem ein souveräner Sieg, der zu keiner Zeit in Frage gestellt wurde, aber tendenziell etwas zu hoch ausgefallen ist. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die dritte Halbzeit dann nicht mehr groß ausgefallen ist.

Yannic Bröker