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SF Drensteinfurt 1 – Schach Nienberge 3     4,5:3,5

Zum dritten Spieltag dieser Saison empfingen wir die dritte Mannschaft des Nienberger Vereins. Wie auch schon beim ersten Spieltag haben wir allerdings nicht im Kulturbahnhof gespielt; dieses Mal durfte die Alte Post als Spiellokal herhalten.

Nebenbei sei erwähnt, dass die Alte Post nicht nur generell eine schöne Location zum Schachspielen ist, der Hauptraum ist auch so groß, dass man unter besten Bedingungen trotz Hygieneauflagen spielen kann.
Die Prognose vor dem Spiel: Es wird hart, aber Gewinnen ist Pflicht, wenn wir die Nienberger in der Tabelle hinter uns lassen wollen! Was uns definitiv in die Karten spielen würde, ist die Tatsache, dass uns bereits am Vorabend die Nachricht ereilte, Jo könne seinen Samstag abseits das Schachbretts verbringen. Dieses Angebot nahm er dankend an und wir konnten uns bereits vor Anpfiff über die erste Führung des Spieltages freuen. (1:0)

Nun zum weiteren Verlauf dieses Spiels. Die Partien nahmen recht unterschiedlich schnell Fahrt auf. Schon recht früh sah ich auf dem ein oder anderen Brett ein materielles Ungleichgewicht. Dabei handelte es sich meiner Einschätzung nach auch nicht um Gambits, was vielleicht auch dem geschuldet war, dass Andre heute verhindert war! Aber nun zu den Details des materiellen Ungleichgewichts.
Maurice konnte sehr früh einen isolierten Mehr-Freibauern für sich beanspruchen. So viele Attribute für einen kleinen Bauern, das muss doch vielversprechend sein oder? Das wird sich auch Maurice gedacht haben, denn auf dem Brett war bereits ordentlich Material abgetauscht worden. Auf dem Brett befanden sich in erster Linie noch Schwerfiguren, die sich auf Maurices Freibauern konzentrierten. Vermutlich hätte der Bauer sowieso das Rennen gemacht, aber als Maurice auch noch den Damentausch durch ein Schach erzwingen wollte, zog der Gegner den König zur Seite, statt die Dame zu schlagen, sodass Maurice sich direkt über eine ganze Mehrdame freuen konnte. (2:0)
Nur wenig später konnte sich auch Bernd freuen. In der Eröffnung gingen meiner Meinung nach einige positionelle Vorteile auf sein Konto. Dass meine Einschätzungen aktuell aber nicht so viel aussagen, soll dabei nicht unerwähnt bleiben, aber dazu später mehr. Was weniger meine Einschätzung als viel mehr Durchzählen benötigt: Bernd konnte bereits kurze Zeit später einen Mehrbauern verbuchen. Daher muss sich sein Gegner gedacht haben, wenn er heute noch etwas Zählbares erreichen wolle, müsse er alles auf eine Karte setzen. So opferte er eine Figur, um möglicherweise Königsangriff zu bekommen. Auch wenn Bernd, seiner eigenen Aussage zu folge, dem Braten erst nicht ganz traute, war es richtig, die Figur zu nehmen. Die einzige Unterstützung für den heldenhaften Läufer war die Dame und diese allein reicht meist nicht aus, um Matt zu setzen. Somit war das vermeintliche Opfer vergebens und am Ende nur eine Minusfigur. Meist ist eine Aufgabe die direkte Konsequenz einer Minusfigur. So auch hier. (3:0)
An dieser Stelle möchte ich kurz innehalten und einen kleinen Überblick über die aktuelle Situation geben. Wir benötigen noch 1,5 Punkte für einen Sieg, bei noch 5 laufenden Partien. All diese Partien sind materiell ausgeglichen, aber zu allen Partien habe ich eine Meinung, was das Positionelle angeht:
Kiara, die kurzfristig für Andre eingesprungen ist und somit ihr Debüt für die erste Mannschaft geben durfte, steht sehr ausgeglichen mit etwas Raumvorteil.
David steht sehr ungemütlich, weil sein Gegner die g-Linie gegen Davids König öffnen konnte und mit fast allen Figuren in die Richtung schielt.
Tilly steht sehr gut. Sein Damenflügel ist gut entwickelt, sein Königsläufer guckt auch in die Richtung und der Gegner hat einen rückständigen b-Bauern.
Marco steht nah am Ausgleich, jedoch sehen mir seine Damenflügel-Bauern etwas wackelig aus.
Ich stehe gut, aber Gewinnen könnte schwierig werden, weil schon viel Material abgetauscht wurde. Aber dennoch: Meine Figuren sind besser entwickelt als die meines Gegners und ich habe den besseren Läufer.
Nun zu dem eingangs beschriebenen Problem meiner aktuell schlechten Einschätzung:
Tilly hat bereits kurz nach diesem Zwischenfazit mit seinem Gegner Remis vereinbart. In der Tat steht Tilly leicht besser, was als weißer ja meist der Fall ist, aber selbst der rückständige b-Bauer heißt hier wohl nichts. Die natürliche Folge wäre wohl gewesen, dass dieser sich gegen den isolierten a-Bauern von Tilly tauscht und anschließend ist die Partie im absoluten Gleichgewicht. Daher und weil es uns noch näher an die gewünschten 4,5 Punkte bringt, geht das Remis hier wohl in Ordnung. (3,5:0,5)
Kommen wir zu meiner Partie, denn, anders als die letzten Male, war ich dieses Mal nicht der Letzte am Brett. Wie bereits erwähnt, war schon viel Material runter vom Brett, aber ich hatte die etwas bessere Ausgangslage. Jedoch habe ich im wahrsten Sinne des Wortes aufs falsche Pferd gesetzt. Statt meine Bauernmajorität auszuspielen, was vermutlich der richtige Plan gewesen wäre, habe ich versucht, im Zentrum durchzustoßen und meinen Springer dabei auch noch schlecht gestellt. Insgesamt habe ich mehrere falsche Pläne angepeilt und mein Gegner konnte sich in eine immer bessere Stellung spielen. Am Ende konnte ich sogar froh sein, dass mein Gegner überhaupt noch mein Remisangebot angenommen hat. (4:1)
Fazit bezüglich meiner Einschätzungen: Dass ich Tillys Position wesentlich zu gut eingeschätzt habe, kann ich noch verkraften, aber die vielen Fehleinschätzungen in meiner eigenen Partie tun weh. Naja sei es drum. Es fehlt nun nur noch ein halber Punkt bis zum Sieg. Aber wo diesen hernehmen?
Kiara steht immer noch im Ausgleich, aber ihr geht langsam die Zeit aus. David steht immer noch im Angriff des Gegners und hat inzwischen einen Bauern weniger und Marco steht materiell ausgeglichen, aber, während nur noch die Schwerfiguren und alle Bauern auf dem Brett sind, muss gesagt werden, dass der Gegner eine halboffene f-Linie besitzt und Marco alle Linien vor sich verschlossen sieht. An diesem Punkt ist klar, dass das Freudetaumeln nach dem früheren 3 zu 0 jetzt ein Ende hat und wir noch richtig kämpfen müssen!
Diese Tatsache wurde innerhalb kürzester Zeit noch deutlich verschärft. Kiara, der die Zeit nun wirklich fast ausging, hat sich zu lange dagegen gewehrt, ihren schwachen Läufer gegen den potenziell starken Läufer des Gegners zu tauschen. Nachdem dieser potenziell starke Läufer zu einem tatsächlich starken Läufer mutierte, war dies nicht mehr möglich. In eigener Zeitnot konnte sie diesen Nachteil nicht mehr ausgleichen und nach weiteren Ungenauigkeiten ging sogar die Partie verloren. (4:2)
Auch Marco musste wenig später die weiße Fahne schwingen. Die Partie war im absoluten Ausgleich und Marcos Gegner meinte auch später, dass er gerne Remis gemacht hätte, wenn das nicht für die Mannschaft die direkte Niederlage bedeutet hätte. Da dieser Sachverhalt natürlich auch Marco bekannt war, wollte er alles daran setzen, Material vom Brett zu nehmen und den Gegner dadurch von einer Punkteteilung zu überzeugen. Doch in einer Sekunde des völligen Blackouts gab Marco einen Turm ab, mit dem Hintergedanken, diesen direkt zurückzugewinnen. Allerdings konnte die Drohung des Rückgewinns von seinem Gegner pariert werden, sodass am Ende einfach ein Minusturm zu buche steht. Wie auch schon in Bernds Abschnitt beschrieben, ist die Aufgabe in so einem Fall die einzige Konsequenz (4:3).
Es bleibt noch Davids Partie. Zu meiner Überraschung, aber großen Freude, erzählte mir Maurice zu etwa diesem Zeitpunkt im Nebenraum, dass David „eigentlich jetzt ganz gut steht“. Klar muss ich dann schnell auch einen Blick riskieren. Und ja, David hat auf einmal eine glatte Qualität mehr und der Angriff gegen seinen König ist auch verpufft. Geistesgegenwärtig erkundigte sich David nach dem aktuellen Punktestand und bot daraufhin Remis. Seinem Gegner war natürlich bewusst, dass das Remis die Niederlage für die Mannschaft bedeuten würde, aber gleichzeitig war ihm auch klar, dass dies inzwischen nur noch ein Spiel auf zwei Ergebnisse war. Somit nahm er das Angebot an. (4,5:3,5)

Auch nüchtern betrachtet hat der Spieltag sehr stark begonnen. Jedoch bleibt, zumindest bei mir, am Ende vor allem hängen, dass wir an tatsächlich gespielten Brettern nicht über ein Unentschieden hinausgekommen sind. Zudem war der Sieg nichts Anderes als ein Fotofinish, bei dem David, metaphorisch gesprochen, den Staffelstab kriechend über die Ziellinie hieven musste.
 
Yannic Bröker