SF Beelen 3 -Schachfreunde Drensteinfurt I  1,5:6,5

Mit weißer Weste

Am vierten Spieltag besuchten wir die Schachfreunde aus Beelen. Allerdings fand das Spiel dieses Mal in einem ganz anderen Spiellokal statt, als jedes der Lokale, in denen ich bisher spielen durfte. Aber das hat mich natürlich nicht davon abgehalten, mich über das Navi hinwegzusetzen und Johann einen falschen Weg vorzusagen. Jedoch traf es sich gut, dass ein altbekanntes Gesicht gerade noch seine Bank aufsuchen musste, bevor das Spiel losging. Also bin ich schnell aus dem Auto gesprungen und habe seinen Namen gerufen. Immerhin brauchten wir ja Gewissheit darüber, dass wir tatsächlich woanders spielen sollten. Sichtlich verwirrt hat unser späterer Gegner hochgeguckt und als er uns erkannte wich die Verwirrung einem Grinsen. Normalerweise könnte man meinen, dass so eine Aktion total unangenehm sein müsste, aber die Schachfreunde aus Beelen sind ja ebenfalls eine lustige Truppe und so kamen wir problemlos an die gewünschte Information. Ein guter Start!

Nachdem wir also dann doch passend zum Spiel angekommen waren, konnten wir loslegen. Tatsächlich konnte ich an allen Brettern mitansehen, wie wir stark auftrumpften. Ganz besonders bei Hubert kam direkt Schwung in die Partie. Und so konnte er uns schon direkt nach etwa einer Stunde auf Kurs bringen. Ein Abzugsangriff gewann bereits die Dame und auch eine weitere Figur fiel im direkten Anschluss. Das braucht man wohl nicht weiterzuspielen, was auch sein Gegner sofort einsah. Hubert erzählte uns später, dass er das Gefühl hatte, sein Gegner wäre mit Huberts Eröffnung überfordert gewesen. (0:1)
Dass eine Partie schnell endet, passiert häufiger. Aber dieser Spieltag sollte für meinen Geschmack außergewöhnlich schnell vorbei sein. Nach Huberts Sieg dauerte es nur eine Stunde, bis die nächsten Punkte purzelten. Zuerst konnte David den Abstand vergrößern. Sein Gegner verlor zuerst einen wichtigen Zentrumsbauern und wenig später waren erneut zwei Bauern angegriffen und er entschied sich meiner Meinung nach dafür, den falschen Bauern zu behalten. Das Ende vom Lied war dann ein Turmendspiel, bei dem David zwei Mehrbauern hatte und einer dieser Mehrbauern bereits die zweite Reihe erreicht hatte. Um diesen Bauern zu gewinnen, musste sein Gegner einen Turmtausch akzeptieren, aber David konnte seinem Gegner beweisen, dass das entstehende Mehrbauernendspiel ganz einfach gewonnen ist. (0:2)
Etwa zeitgleich ergaben sich zwei der drei Punkteteilungen des heutigen Spieltages. Maurice hatte die meiste Zeit über eine angenehmere Stellung als sein Gegner. Jedoch wurde beidseitig viel vereinfacht und es entstand ein Endspiel Läufer gegen Springer mit einer ganzen Reihe von Bauern. Maurice war hierbei die Läuferpartei. Und obwohl die Bauern noch nicht verkeilt waren und ein Spiel an beiden Flügeln die Läuferpartei begünstigt, wollte Maurice heute wohl nichts riskieren und man einigte sich auf ein Remis. (0,5:2,5)


Die andere, bereits angesprochene Punkteteilung fand an Jos Brett statt. Ich dachte eigentlich eine ganze Zeit lang, dass Jo gutstehen würde und hatte auch zwischendurch geglaubt einen Mehrbauern bei ihm zu sehen. Aber kurze Zeit später habe ich einen weiteren Rundgang gemacht und konnte keinen Mehrbauern mehr erkennen, was vermutlich auch nicht nur an meiner beschlagenen Brille gelegen hat. Zudem konnte sein Gegner mit einem Springermanöver hinter Jos Verteidigungslinie gelangen, was gar nicht so toll aussah. Sein Gegner hatte aber bereits vor dem Spiel schon großen Respekt vor Jos Spielstärke bekundet, was eventuell ein Mitgrund dafür war, sich in einer bequemen Stellung auf Remis zu einigen. (1:3)
Der Mannschaftskampf wurde dann tatsächlich kurz nach Anbruch der vierten Stunde endgültig entschieden. Tilly hatte zwar seine Lieblingseröffnung auf dem Brett (ja auch das soll es geben), jedoch konnte sein Gegner allein mit der Dame alle Drohungen am Königsflügel parieren. Gleichzeitig gab ihm das auch die Gelegenheit, am Damenflügel seine Türme in Stellung zu bringen. Eine Zeit lang dachte ich daher, dass Tilly vermutlich in Schwierigkeiten geraten könnte. Doch sein Gegner traf ein paar schwerwiegende Entscheidungen und nahm seine beiden Türme von der, vermutlich stärksten Linie, der c-Linie runter, um einen Bauernvormarsch auf der a- und b-Linie vorzubereiten. Das brachte plötzlich Schwung in Tillys Angriff und spätestens nach einer Springergabel auf die Schwerfiguren, war sein Gegner überzeugt, dass er seinen Laden nicht mehr zusammenhalten konnte. (1:4)
Ich hatte bereits die Entscheidung des Mannschaftskampfes angekündigt und die sollte tatsächlich nur wenige Minuten später fallen. Bernd hatte seinem Gegner bereits vorher Remis geboten, aber zu dem Zeitpunkt musste er, seiner Einschätzung nach, noch weiterspielen. Bei einem Stand von 1:4 und drei nicht sonderlich gutaussehenden, verbleibenden Brettern hatte sein Gegner aber doch das Einsehen und bot seinerseits Remis an. Doch es muss noch geklärt werden, was an diesem Brett eigentlich passiert war: Die beiden Kontrahenten hatten bereits in der Vorsaison gegeneinander gespielt und beide hatten wohl wenig Lust darauf, die alte Eröffnung zu wiederholen. Jedenfalls hatte Bernd schon mit dem Gedanken gespielt, von seinem eigentlichen Repertoire abzuweichen, da eröffnete sein Gegner mit einem anderen Bauern als gedacht. Doch bereits nach wenigen Zügen musste man sich fragen, wer in diesem Spiel der Nachziehende war. Bernd hatte trotz Schwarzer Steinchen deutlichen Raumgewinn und die Eröffnung schien, als könnte sie genauso mit vertauschten Farben entstehen. Am nächsten Tag hat Bernd die Partie nochmal in den Rechner eingegeben und der empfand Bernds Stellung als stark vorteilhaft. Bernd selbst empfand das Ganze wohl nur als geringen Vorteil, sodass er dem Angebot zustimmte. (1,5:4,5)


Es liefen damit nur noch die Partien von Johann und mir. Wie so oft war es aber ich, der nachsitzen musste. Johann konnte mit einer Dame schon frühzeitig in das gegnerische Lager vordringen und den gegnerischen König in der Mitte halten. Schließlich konnte Johann mit einer schönen Fesselung die Dame des Gegners für eine Figur und einen Turm gewinnen. Als zusätzliches Guthaben auf seinem Konto konnte sein Gegner aber einen Bauern auf der siebten Reihe verbuchen. Trotzdem machte am Ende aber die Dame das Rennen. (1,5:5,5)


Und wie immer kommt zum Schluss die folgende Frage: was war bei mir passiert? Ich konnte meinen Gegner in eine Eröffnung bringen, mit der er Schwierigkeiten hatte. Doch kurzzeitig hätte mein Gegner mir wiederum das Leben sehr schwer machen können. Aus positionellen Gründen verzichtete ich zwei Züge lang darauf, dem Damentausch aus dem Weg zu gehen. Wäre mein Gegner diesen Tausch eingegangen, dann wäre das vermutlich wohl ein Spiel auf zwei Ergebnisse gewesen, aber dann noch auf Gewinn zu spielen wäre für mich wirklich ein leidiges Thema geworden. Daher war ich sehr froh, als zwei Züge später immer noch beide Damen auf dem Brett standen und ich meine an die Seite ziehen konnte. Genau diese Dame sollte nicht einmal zehn Züge später das Ende bringen. Zuerst suchte meine Dame die gegnerische Königsnähe, dann lockerten ein paar meiner Bauern die Königsstellung auf und nach einem Turmschwenk über die dritte Reihe war gegen den Damen-Turm-Angriff kein Kraut mehr gewachsen. (1,5:6,5)

So ging ein sehr erfolgreicher Spieltag für uns zu Ende und wir sind mit 10 Punkten aus 5 Spielen immer noch Tabellenführer. Besonders erfreulich finde ich, dass wir endlich mal wieder ein Spiel komplett ohne Niederlage hatten und dass unsere beiden Ersatzspieler voll punkten konnten. Man darf hier wohl von „ersatzgestärkt“ sprechen.

Yannic Bröker