SK Münster VII – SF Drensteinfurt I 5,5:2,5

Wie verhext...

An manchen Mannschaftskämpfen sollte man einfach zu Hause bleiben. Gestern war so ein Tag, an dem nichts zusammenlief und wir uns in Münster eine richtige Klatsche abholten. Mit 2,5 zu 5,5 unterlagen wir letztendlich den Domstädtern, wobei wir reihenweise bessere und sogar einige Gewinnstellungen wegwarfen.

Aber der Reihe nach: Wir stellten einmal Ersatz – Frank war dankenswerterweise für Roland eingesprungen, der privat verhindert war. Münster VII spielte zum ersten Mal in dieser Saison in Bestbesetzung.

Als ich nach etwa einer Stunde auf die Bretter schaute, machte mir Pauls Partie bereits Sorgen, der wieder einmal die schwarzen Steine hatte und damit in dieser Saison einfach nicht zurecht kommt. Eine offene h-Turmlinie sowie Läufer, Springer und Dame vor der Haustür – das sah nicht gut aus. Alle anderen Partien waren mehr oder weniger ausgeglichen.

Thomas war sehr gut aus der Eröffnung gekommen und hatte sich mit Weiß ein gutes Figurenspiel erarbeitet. Hier dachte ich, dass materieller Vorteil sehr bald kommen würde, doch stellte er durch ungenaues Spiel vierzügig einen Turm ein, der Rest war Formsache (0:1).

So, nun lagen wir erstmal hinten und bei Paul wurde es immer schlimmer. Zwar kämpfte er noch wie ein Löwe, doch sein Gegner ließ ihn nicht mehr aus dem Mattnetz entkommen (0:2).

Martin kam meiner Meinung nach recht ordentlich aus der Eröffnung und hatte auch Spiel am Damenflügel bekommen, doch irgendwo spielte er wohl zu passiv. Die Initiative ging auf seinen Gegner über, und unter diesem Druck ließ Martin irgendwo eine Puppe stehen. Ich habe nicht genau gesehen wo, doch auch dieser Punkt ging an Münster (0:3).

Damit war die Messe gelesen und ab sofort stand Schadensbegrenzung auf dem Programm. Frank konnte am achten Brett gegen einen der vielen talentierten Jungs aus Münster ein sicheres Remis einfahren (0,5:3,5).

Mein Gegner am dritten Brett war noch ein bisschen jünger, hat mit 10 Jahren allerdings schon eine DWZ von knapp 1750. Glücklicherweise wählte er eine Verteidigung, die ich oft spiele, sodass wir meiner Meinung nach die Remisbreite nie verlassen haben. So hatten beide Spieler keine sichtbaren Vorteile – die Punkteteilung die logische Folge (1:4).

Yannic hatte fast die ganze Partie über Zeitprobleme. Er kam mit den weißen Steinen gut aus der Eröffnung und konnte sich im Mittelspiel einen Mehrbauern einsacken. Hier war für ihn die einmalige Chance durch eine schöne Springergabel in ein wohl gewonnenes Endspiel Läuferpaar und Turm gegen Springerpaar und Turm einzulenken um seinen gesunden Mehrbauern zu verwerten. Leider fand er diesen Zug in Zeitnot nicht, und als dann noch Pauls Gegner nach seinem Sieg mit lautem Getöse den Erfolg feierte, griff Yannic übelst fehl und schmiss die Partie quasi weg. Sein Gegenüber ließ sich das nicht nehmen und fuhr mit starken Spiel den Sieg ein (1:5).

Marcos Partie war ein Spiegelbild des Mannschaftskampfes. Er konnte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten aus einer komplizierten Lage befreien und ging in den Angriffsmodus über. Er überrollte seinen Gegner förmlich und konnte bequem eine Puppe einsacken mit glasklarer Gewinnstellung. Doch auch Marco griff fehl, nahm nicht eine der zahlreichen Gewinnabwicklungen und ließ seinen Gegner ins Dauerschach und damit Remis entkommen (1,5:5,5).

Immerhin rettete DJ abschließend mit seinem Erfolg unsere Ehre. In einer Partie mit unfassbar vielen Fehlern auf beiden Seiten (der Computer zeigte eine Spanne von -2,0 bis + 50,0 (!) Bauerneinheiten aus seiner Sicht) hatte er das glücklichere Ende für sich. Nach großem Kampf im Mittelspiel lenkten beide in ein Damenendspiel mit einem Mehrbauern für DJ ein. Unverständlicherweise schmiss sein Gegner noch den letzten Bauern hinterher, sodass die Stellung nun für DJ gewonnen aussah. Irgendwann hatte sein Gegner ein Einsehen und gab auf, genau zu dem Zeitpunkt, als der Rechner Remis durch Dauerschach anzeigte... (2,5:5,5).

Dieser Mannschaftskampf war nun wirklich wie verhext und wir fuhren mit einer richtigen Packung wieder nach Stewwert. Bleibt nur zu hoffen, dass wir am nächsten Spieltag gegen Coesfeld auch mal die ein oder andere Gewinnstellung nach Hause bringen können.

Daniel Tillkorn.