SC Nienberge IV – SF Drensteinfurt I 3,5:4,5

Die Taube auf dem Dach....

Unser drittletztes Saisonspiel führte uns nach Nienberge-Häger ins allertiefste Münsterland, wo wir gegen die dortige vierte Mannschaft antraten.

Wir waren fast in Bestbesetzung, lediglich unsere Geheimwaffe Joscha vertrat an Brett 8 DJ, der privat verhindert war. Auch Nienberge konnte mit den ersten sieben antreten, schließlich brauchten sie noch jeden Punkt im Kampf gegen den Abstieg, wobei wir einfach nur einen spannenden Mannschaftskampf erleben wollten. Und den bekamen wir...

Pünktlich um vier ging es los und eine halbe Stunde später war an Brett vier schon wieder alles vorbei. Ruckzuck waren die Figuren abgetauscht, eine völlig symmetrische Stellung mit jeweils zwei oder drei Leichtfiguren auf beiden Seiten – tot Remis, und Roland konnte als Erster wieder nach Hause (0,5:0,5).

Da wollte Marcos Gegner in Nichts nachstehen, kurz vor fünf gab es auch hier ein Remisgebot in ausgeglichener Stellung, schließlich spielte gerade der BVB gegen B04 und das könnte man ja noch eine Viertelstunde gucken. Marco nahm an, da er mit den schwarzen Steinen auch keinen Vorteil ausmachen konnte (1:1).

Und auch unsere dritte Schwarzpartie lief wenig später in den Remishafen ein, da Thomas sich aus einer zwischenzeitlich doch kritischen Stellung befreien konnte, und das Angebot der Punkteteilung nicht ausschlagen konnte (1,5:1,5).

So weit so gut, von den letzten fünf Brettern sahen drei für uns gut und zwei schlecht aus. Joscha führte am achten Brett die schwarzen Steine und hatte in der Eröffnung nicht gut gespielt. Zwei Bauern waren plötzlich weg und angesichts seines sehr erfahrenen Gegners rechneten wir dort schon mit einer Niederlage. Doch wenn es einmal läuft, dann läufts. In aller Seelenruhe baute Joscha eine Drohung nach der anderen auf, bis sein Gegner übelst patzte, die Dame wegschmiss um anschließend in ein Matt zu laufen. Die Führung für uns (2,5:1,5).

Nun waren wir vorne und hatten noch alle Weißpartien im Rennen, es sah sehr gut für uns aus. Allerdings konnte Paul seinen Raumvorteil nicht nutzen und musste sich mit einem Remis begnügen (3:2).

Markus vergaloppierte sich mit seinem Gaul und musste mit einer Puppe weniger irgendwann im tiefen Mittelspiel einen Königsausflug machen, der in der Mitte des Bretts mit Matt endete (3:3).

So stand es nun Spitz auf Knopf und nur noch Yannic und ich spielten noch. Beide hatten wir gut aussehende Stellungen mit Initiative, doch interpretierten beide zu viel hinein. Ich hatte alle drei Königsbauern geschickt um den feindlichen König an den Kragen zu gehen, doch hat mein Gegner das sehr umsichtig und cool verteidigt. Mit Gewalt wollte ich die Stellung aufbrechen um offene Linien für meine Türme zu bekommen. Doch drehte er einfach den Spieß um, nutzte seinerseits die wichtige Randlinie und schickte einen Freibauern, der wie ein Dorn im Auge in meiner Stellung festsaß. In der Zwischenzeit hatte Yannic Remis geboten, da auch er seine Partie überzogen hatte und nicht mehr sah, wie er weiter auf Gewinn hätte spielen können. Aus diesem Grunde bot mir mein Gegner Remis, da er befürchtete, die gute Stellung wegzupatzen und wollte lieber das sichere Mannschaftsremis nehmen. Schließlich braucht Nienberge im Kampf gegen den Abstieg doch jeden Punkt, da nimmt man doch lieber den Spatz in der Hand (3,5:3,5).

Damit war der Mannschaftskampf im Grunde genommen gelaufen, alle freuten sich, dass wir so früh fertig waren (noch vor 20.00 Uhr) und warteten auf die Annahme des Remisangebotes an Brett 1.

Doch was nun folgte, hatte von uns noch keiner der anwesenden Spieler erlebt. Knapp 40 Minuten überlegte Yannics Gegner das Remis anzunehmen um sich dann mit der Begründung „Ich hab mehr Zeit“ für die Taube auf dem Dach zu entscheiden. Zugegebenermaßen war Yannic tatsächlich in Zeitnot und musste schon aufpassen, die Zeitkontrolle zu schaffen, aber wie alle wussten, dass er auch ein guter Blitzspieler ist. So konnte er sogar noch seine Züge aufschreiben, was gut war, da sein Gegner das nicht machte, obwohl er noch 15 Minuten bis zur Kontrolle hatte. Nach dem 40. Zug holte er dieses allerdings nach und vervollständigte seine Notation auf Yannics Zeit. Jetzt wollte er doch einmal kurz telefonieren, doch das war des Guten zuviel. Natürlich ging das nicht und die Partie kippte fortan zu unseren Gunsten. Die Taube flog einfach davon und Yannic sackte eine Puppe ein und holte für uns damit den Mannschaftssieg (4,5:3,5).

Damit verpasste Nienberge einen enorm wichtigen Mannschaftspunkt und muss Everswinkel an sich vorbeiziehen lassen. Wir stehen immer noch auf Platz 3 und freuen uns auf die beiden letzten Saisonspiele gegen die beiden Topmannschaften Telgte und Ost-/Westbevern.

Daniel Tillkorn