SK Münster 32 VII – SF Drensteinfurt I      5,5 – 2,5

Wer gewinnen will, muss Tore schießen.

Hatten wir vor der Saison noch gegenüber der zweiten Mannschaft noch gelästert, dass sie ja gar nicht aufsteigen müsste, die Bezirksklasse wäre ja zu ihnen abgestiegen, so trifft uns das in der ersten Mannschaft nicht minder – irgendwie fühlt es sich an wie Bezirksliga…nur das jetzt zur Saisonmitte Mannschaften an der Tabellenspitze stehen, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hätte. In der Kreisliga ist das unsere eigene Zweite, in der Bezirksklasse ist das die routinierte und altbekannte Truppe vom SK 32 VII, die doch eigentlich zum Inventar der 1. BK gehört.

Bei diesem überraschenden Tabellenführer mussten wir am Samstag antreten, „mussten“ deshalb, weil mit Marco und Tilly zwei Stammkräfte an oberen Brettern fehlten, während die Münsteraner mit der kompletten Kapelle antraten – was bei Münsteraner Mannschaften ja nicht unbedingt die Regel ist. Als Ersatz sprangen diesmal Joscha und Werner ein.

Werner war dann auch relativ schnell in den sicheren Remishafen gesegelt. Dem Vernehmen nach ein symmetrischer Abtauschslawe, in dem schnell Figuren getauscht wurden und keiner der Gegner sich noch wirklichen Vorteil ausrechnete: ½ - ½

Ich hatte es mit einem niederrheinischen Landsmann zu tun, der genau wie ich auch schon lange Jahre im westfälischen Asyl verbringt – er hatte mit seinem alten Verein dort sogar mal gegen den Verein gespielt, bei dem ich vor fast 40 Jahren mal angefangen habe. So hat man was zu erzählen. Nach den Remisen der letzten Zeit habe ich dann versucht, den Franzosen etwas aggressiver zu behandeln, konnte aber den inneren Schweinehund nach einem frühzeitigen Remisangebot des Gegners nicht überwinden, in – wie ich meinte – grenzwertiger Stellung ohne wirklichen aktiven Plan weiterzuspielen – er war „voll entwickelt“, bei mir stand die halbe Truppe noch in Ausgangsposition. Der Computer meint allerdings, das wäre gar nicht so schlimm gewesen (Struktur ist manchmal wichtiger als Entwicklung) und sieht eher Weiß um Ausgleich bemüht. Also Remis: 1 - 1

Roland hatte ich zwischenzeitlich zunächst leicht besser gesehen, anscheinend braucht sein leicht verspätet eingetroffener Gegner ein paar Minuten zum Warmlaufen. Dann war das ein oder andere Figurenpaar abgetauscht, Schwarz setzte zum Konter im Zentrum an. Und dann kam ich nur noch dazu, als die Figuren zusammengeschoben wurden und die Protagonisten das Feld verließen – Roland murmelte was von Einsteller, nicht gesehen (nicht zu mir, daher ohne Gewähr). 1 – 2

Das sollte aber eigentlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so schlimm sein, vier Bretter kämpften – und Joscha hatte einen Turm mehr. Seine Eröffnung war wohl ein unorthodoxer Italiener, die Doppelbauern auf der c- und e-Linie sahen mir positionell nicht so prickelnd aus, eröffneten Joscha aber taktische Möglichkeiten. Und Joscha pfeift in der Regel auf positionelle Feinheiten, wenn er die taktische Axt auspacken kann. Daher Mehrturm. Etwas unglücklich war dann die Entscheidung, den eigenen weißen Springer von f8 über d7 auf b8 hinter der intakten Bauernkette zu parken – über den anderen Flügel (f8 – g6 – h4) wäre die Flucht des Springers gelungen und die Partie zu Ende.  Dann begann das Martyrium des frühzeitigen Remis – ich hatte Zeit, zuzusehen, wie Joscha einen richtigen Plan nach dem anderen auspackte und immer wieder den letzten Zug zum Zumachen des Sackes verpasste. Alles gipfelte letztendlich in einem Bauernendspiel, in dem der Gegner Remis anbot, es dann aber so misshandelte, so dass die Stellung wieder für Joscha gewonnen war – bis er wieder den letzten Zug nicht machte – Remis. 1,5 – 2,5

Zwischenzeitlich waren die anderen Partien auch gekippt – leider fast alle zu unseren Ungunsten:

Yannic war aus der Eröffnung mit leichten Vorteilen herausgekommen, der Gegner hatte einen isolierten d-Bauern, den berühmten Damenisolani, den Yannic mit einem Springer lehrbuchmäßig blockierte. Leider gelang es ihm nicht, wirklichen Druck auf den Isolani zu entfalten, geschweige denn, eine zweite Schwäche zu erzeugen, um die Verteidigung abzulenken. Der Gegner stabilisierte sich, tauschte ab – Remis 2 - 3

Martin hatte die Eröffnung etwas zu passiv behandelt und handelte sich einen rückständigen Bauern auf c6 in der halboffenen c-Linie und dahinter einen schwachen fiachettierten weißfeldigen Läufer ein. Im Gegenzug baute der Gegner „Aljechins Gun“ (Turm, Turm, Dame in einer Linie, die Dame ganz hinten) gegen den rückständigen Bauern auf, nachdem er das Feld vor dem Bauern mit dem Springer blockiert hatte, der nebenbei gleich mehrere Bauern und den Läufer unter Feuer hatte. Irgendwann musste das einbrechen: ein gedeckter Freibauer auf der a-Linie hielt den König fest und auf der anderen Seite metzelte der gegnerische König die Bauern – 2 – 4

Thomas fand es in der Analyse ganz doof, dass Yannic und ich ihn auf gleich mehrere Male auf Punkte hinwiesen, wo sein Spiel geringfügig zu verbessern gewesen wäre („Guck mal, so wäre es fast gewonnen gewesen…“) – wenn das mal nur bei unseren eigenen Partien so laufen würde – wir sollten auf Bird umsteigen…. Auch hier war später ein rückständiger Bauer entstanden, auch hier hatte der Gegner alle schweren Geschütze aufgefahren, im Unterschied zu Martins Partie war aber Thomas weißfeldriger Läufer auf der langen Diagonale als Angreifer und Verteidiger ohne Gegenspieler, so dass sich die Stellung wohl im Gleichgewicht befand. Da Thomas aber meinte, dass ein Remis angesichts des Mannschaftsstandes nicht wirklich reichen würde (Yannic und auch Joscha spielten noch), ließ er sich zu einem Bauernvorstoß verleiten, nach dem er meinte, immer noch mindestens Remis zu haben, während mein Eindruck eher war „Jetzt bringt er sich um…“. Ich hatte Recht. 2 – 5

Den Schlusspunkt setzte wie so oft Paul. Nach schwieriger Eröffnungsbehandlung hatte er irgendwann mal eine Qualität spucken müssen und auch noch einen Bauern weniger. Paul schaffte es jedoch mit Läuferpaar, Dame und Turm „Drohungen“ gegen den in der Mitte steckenden gegnerischen König aufzubauen. Da der König unrochiert in der Mitte steckte, kam auch die Mehrqualität nicht wirklich zum Tragen – der Turm stand ja noch in seiner Ecke und wartete auf den Einsatz. Um den Gegenangriff anzetteln zu können, hatte Paul seinen Königsflügel ziemlich entblößen müssen, der Gegner konnte einen Bauern letztendlich bis h7 vorstoßen – fand aber dann den Sargnagel nicht. Als er dann nach gut fünf Stunden mit Nachdruck die Qualität zurückopferte, um die Umwandlung seines h-Bauerns den Tag entscheiden zu lassen (er hatte sich schon demonstrativ die Dame vom Nachbarbrett geholt), hatte er sich leider verrechnet – das funktionierte gar nicht… Remis durch Stellungswiederholung (Dauerschach) – 2,5 – 5,5

So wurde wenigstens unser unermüdlichster Kämpfer wieder mal belohnt, wir sollten uns ein Beispiel nehmen. Aber momentan erinnert unser Spiel eher an den alten Spruch über Turmendspiele: „Habe ich einen Bauern weniger, verliere ich, habe ich einen Bauern mehr, ist es Remis…“.

Mund abwischen, weiter machen.