Verbandsjugendliga (VJL)

U20 Die Jungs verblüffen mich immer wieder.

Zweiter Spieltag der Verbandsjugendliga U20, diesmal ging es zu unseren immer sympathischen Nachbarn aus Sendenhorst. Ich fahre immer gerne nach Sendenhorst – das ist so schön nah, dass es fast wie ein Heimspiel ist. Dann ist es gar nicht mehr so schlimm, vier Mal auswärts zu spielen.

Nominell war der Gegner leicht favorisiert, aber unsere Jungs haben in diesem September schon einige Punkte gut gemacht, so dass eigentlich klar war, dass wir einen Kampf auf Augenhöhe bekommen könnten.

Leider spielte Anton die Eröffnung ein wenig so, als ob er mit Finn Geburtstag gefeiert hätte. In einem (eigentlichen) holländischen Stonewall beschloss er, etwas Dynamik in die Stellung zu bringen. Schon mal jemand eine dynamische Steinmauer (Stonewall) gesehen? Nein? Der Gegner betätigte sich als Abrissbirne, 0–1

Arne ist in dieser Saison eine Bank. Immer ruhig und ein wenig gelangweilt wirkend, strich er erst eine Qualität und dann noch ein wenig Material ein, es gab den schnellen Ausgleich und daher keinen Grund zur Beunruhigung. 1-1

Leon stand in der Eröffnung zunächst wackelig, konsolidierte sich aber zusehends und konnte alle Figuren gut in Stellung bringen. Als ich dann das nächste Mal nachschaute, sah die Stellung irgendwie komisch aus. Ich zählte nach: jeder 6 Bauern, jeder drei Leichtfiguren, jeder zwei Türme. Was stimmt da nur nicht? Es dauerte tatsächlich etwas, bis ich gesehen habe, das Leon eine volle Dame mehr hatte – er hatte nach eigener Aussage erst eine Figur gewonnen und dann die Dame gegen die Mehrfigur „getauscht“. Souverän zu Ende gespielt 2 - 1

Finn war deutlich fitter als Anton und legte mit einem Gambit fulminant los. Mein Co-Betreuer wunderte sich nur, dass Finn schon so früh einen Bauern weniger hätte, aber das ist im Gambit nun mal so. Er bekam dafür eine Menge Spiel auf den schwarzen Feldern vor dem König. Leider konnte der Gegner alle Einbruchsfelder abdecken und so langsam Gegenchancen erzeugen. Trotz oder gerade wegen der ungleichen Materialverteilung (2 Figuren bei Finn gegen Turm und 2 Bauern beim Gegner) einigte man sich auf ein leistungsgerechtes Remis. 2,5 – 1,5

Moritz wurde in seiner Leib-und-Magen-Variante mal richtig angefasst und konnte den Laden lange nur mit Mühe und Not zusammenhalten, d.h. er konnte alles verteidigen, aber nicht wirklich selber Initiative entfalten. Beim Übergang ins Schwerfigurenendspiel dachte er dann aber, eine kleine Kombination gesehen zu haben – schwupps, da war der Bauer weg (so heißt ein Buch von einem Großmeister). Der Gegner konnte weiter abtauschen, ließ dann aber auf einmal die letzten Türme auf dem Brett, anstelle in ein klar gewonnenes Bauernendspiel abzuwickeln. Das wiederholte sich dann noch ein paarmal – der Sendenhorster Betreuer musste seine Erregung durch intensive Laufarbeit um die Spieltische kompensieren (Zugucken ist manchmal schlimmer als selber spielen – fragt auch mal unseren Co-Betreuer!). Irgendwann stand der Freibauer von Moritz auf der siebten Reihe, blockiert vom gegnerischen Turm. Und der König konnte nicht zur Hilfe kommen, da dann die beiden verbliebenen Bauern des Gegners fallen würden – daher Remis. 3 – 2

Erik hatte in der Eröffnung einen Bauern eingesammelt und das gegnerische Zentrum eliminiert – was will man mehr. Anschließend wurde er aber etwas zu stereotyp aktiv, was gegen das Zentrum gut gewesen wäre – aber ohne das Zentrum vielleicht nicht notwendig war. Da alle schwarzen Felder in seiner Königsstellung schwach waren und Dame und Springer darüber eindrangen, sah es lange sehr knifflig aus. Aber Erik blieb bemerkenswert ruhig und arbeitete sich langsam aus der Misere – die Figuren wurden abgetauscht, der Mehrbauer blieb, allerdings schaffte der Gegner etwas mehr Aktivität, als vielleicht notwendig gewesen wäre. Hätte Erik aber den Figurengewinn im vorletzten Partiezug gesehen, wäre mehr als ein Remis herausgesprungen – aber das Remis sicherte den Mannschaftssieg und der hat Vorrang! 3,5 – 2,5

Oder wie man in der Verbandsjugendliga sagt: 13 – 11!Zweiter Sieg am zweiten Spieltag – was will man mehr. Wir können mithalten, alle Sorgen waren übertrieben. Aufsteigen werden wir nicht, einige der kommenden Gegner sind doch ein anderes Kaliber, als unsere bisherigen Gegner. Aber wir wollen auch nicht mehr absteigen...