Knapp daneben ist auch vorbei.

Verbandsjugendklasse (VJK) U16 Gruppe B
SFD - Reckenfeld 3 - 1
SF Greven - SFD 2,5 - 1,5

Zum zweiten Doppelspieltag brachen wir heute um 9 Uhr nach Reckenfeld, einem westlichen Stadtteil von Greven, auf. Angesetzter Spielbeginn 10 Uhr, gut 50 km Anreise - im Verband ist das noch vergleichsweise wenig und die Fahrtzeit nach Beelen ist länger. Dennoch muss man das nicht allzu oft am Sonntagmorgen machen.

Da ich natürlich wieder überpünktlich vor Ort sein wollte, waren wir als erste Mannschaft am Spiellokal. Weil bei Sendenhorst aber wohl ein Spieler auswärts genächtigt und alles verschlafen hatte (inkl. vereinbartem Fahrdienst) kamen die Kollegen mit guter akademischer Viertelstunde Zuschlag - da hätte man sich glatt nochmal umdrehen können.

Im Gegensatz zum letzten Mannschaftskampf waren unsere Jungs diesmal aber gut ausgeschlafen und gingen konzentriert zu Werke. Langsam und stetig entwickelten sich unsere Partien, während andere Mannschaftskämpfe schon nach 45 min beendet waren. Wer schneller zieht, muss länger warten! Unsere spendablen Gastgeber aus Reckenfeld hatten dann aber ihren Herrenabend und spendierten uns - gegen nur geringe bis gar keine Gegenleistung - dann gleich zwei Damen an den Brettern drei und vier. Moritz und Erik ließen sich nicht zweimal bitten, schlugen zu und brachten das ungefährdet zum Matt. 2 - 0

Arne spielte seinen schwarzen Standardaufbau, wieder einmal hatte man das Gefühl, dass der Gegner nicht richtig wusste, wie damit umzugehen wäre, erst fiel ein Bauer, dann eine Figur (oder andersherum) und dann war es auch „schon" vorbei. 3 - 0

Einzig Leon hatte seine Probleme, sein Gegner spielte (wenn ich das richtig gesehen habe) Slawisch mit frühem Läuferausfall nach g4 (muss er mir mal zeigen). Hier wusste Leon nicht so recht, was damit anzufangen war und geriet „schnell" unter Druck von allen Seiten. Irgendwann konnte der Gegner das in Mehrbauern umwandeln, die er dann aber - so meinte ich - gerade dabei war, zu verkaspern, als Leon eine der uns spendierten Damen großzügig zurückspendete. Shit happens. 3 - 1

Leons Partie war die längste der ersten Runde gewesen, d.h. er bekam anschließend die kürzeste Ruhepause und ab ca. 13:00 Uhr begann der Kampf gegen den Tabellenführer.

Leider legte der Moritz hier ein kurzes Nickerchen ein, er war gegenüber der Vormittagspartie nicht wiederzuerkennen. Auch der Zeit"verbrauch" war diesmal nicht nennenswert - die Uhr zeigte durch die Bonussekunden am Ende der Partie mehr Zeit an als vor der Partie…. Vor wenigen Monaten hätten wir noch gesagt: stark gekämpft, heute sind wir von ihm schon etwas anderes gewohnt - decken wir mal den Mantel des Schweigens darüber. 0 - 1

Erik gewann in einem Schotten im sechsten Zug bereits einen Bauern, da dem Gegner die Rochade wichtiger war. Allerdings bekam er außer dem Bauern auch noch Entwicklungsvorsprung, so dass er seinen Gegner sicher im Griff hatte und Druck machen konnte. Irgendwann stellte sich dann der entscheidende Fehler ein: 1 - 1

Der arme Leon probierte Französisch und geriet in eine Abtauschvariante, die er zunächst gar nicht so schlecht behandelt zu haben schien, ich meinte ihn materiell leicht vorne gesehen zu haben. Beim zweiten Blick war dann aber eine Qualität weg, die er vorher mehr hatte, und daneben fehlten auch noch zwei Bauern. Sein König stand von Bauern entblößt, aber eingequetscht zwischen den eigenen Figuren im Eck - der Gegner wirkte dagegen als Herr der Lage. Da war trotz einiger netter Ideen dann nichts mehr zu holen 1 - 2

Zu dieser Zeit (ca. 14 Uhr) hatte Arne einen Mehrbauern und eine knifflige Stellung gegen einen starken Gegner aus Greven. Aber während Arne zunächst noch richtig Zeit fraß, holte sein Gegner hier mehr und mehr auf, ein Zeichen, dass der sich ganz und gar nicht wohl fühlte. Nach cleverer Expansion hatte Arne dann in ein Endspiel abwickeln können, in dem er sogar über zwei Mehrbauern verfügte (ca. 15:10 Uhr). Jetzt aber versagte ein wenig die Konzentration - kein Wunder nach mittlerweile weit über vier Stunden Spielzeit - wenn man beide Partien zusammenzählt. Eine Abwicklung, die er eigentlich berechnet hatte, drängte er beiseite, um mit einem „mutigen" Figurenopfer nochmal alles zu probieren (er sagte, er hätte vergessen, dass er das vorgehabt hätte). Der Mut wäre beinahe ins Auge gegangen (Zitat von der Rückfahrt: „War gar nicht so schlimm, ich stand nie schlechter als
-1,46!"), aber letztendlich konnte er noch aus der Position der Stärke heraus Remis anbieten (der Gegner hatte nur noch einen Springer - und der musste auf den a-Bauern aufpassen, während Arnes König vor dem eigenen h-Bauern eingesperrt war). 1,5 - 2,5

Toll gekämpft, aber dafür können wir uns nichts kaufen - mit einem Sieg hingegen wären wir mit 12 Punkten ganz nah an die Spitze herangerückt (die dann bei 13 und nicht bei 15 Punkten läge). Theoretisch geht jetzt auch noch alles - aber das sagen die Borussen und Nürnberger sich ja gerade auch…

Bei der letzten Doppelrunde am 26. Mai (in Münster) geht es jetzt nur noch um ein (weiterhin) ehrenhaftes Abschneiden!

Bernd Broeckmann