Verbandsjugendliga (VJL) U16 + U20

Eigentlich will man doch anders!

Herzlich willkommen im neuen Jahr, nachdem hier die ersten Jugendkämpfe durch sind, mal wieder ein Update auch von mir.

Die U20 hatte es im Kulturbahnhof mit der Mannschaft aus Raesfeld-Erle zu tun – nominell wohl stärkste Mannschaft der Liga. Diese trat diesmal auch in (fast) stärkster Besetzung an, nur für Brett 5 war Ersatz nominiert. Bei uns – natürlich – wieder die ersten Sechs.

Nach ca. 1 h kam der Mannschaftsbetreuer der Raesfelder aus dem Spielsaal, wog das weise Haupt (2200 DWZ) und meinte, wir wären ja eröffnungstheoretisch deutlich beschlagener und stünden überall besser. Der Rundgang bestätigte (von hinten nach vorne): Kiron Puppe mehr, Erik Mehrbauer mit starker Stellung, Moritz Puppe mehr, Kiara stand solide, Arne deutlich besser, Maurice solide. Wenn alles gut gehen würde, wäre sogar eine Wiederholung des Ergebnisses aus 2020 (damals, vor Corona) möglich, da hatten wir 5 – 1 gewonnen.

Aber nachdem Moritz flugs den Sack zugemacht hatte, ging nichts mehr – eine Partie nach der anderen kippte: Kiron fand den Weg ins Dauerschach – naja, sein Gegner drohte es, einige andere Züge hätte das verhindert, aber der gespielte führte nun mal zu Dauerschach. Erik tauschte im Endspiel einmal falsch ab (hätte er einen kleinen Zug eingeschoben, wäre auch der Turm abgetauscht worden und das Bauernendspiel war gewonnen…) und wie sagt man so schön: Turmendspiele mit Mehrbauer sind remis, Turmendspiele mit Minusbauer sind verloren.

Arne lief in eine böse Gabel – was heißt das nur für die Überlegenheit seiner Stellung, wenn er nach einem Turmeinsteller noch (berechtigterweise) weiterspielen konnte – und letztendlich sein nerviger Gaul den Gegner zum Remis entnerven konnte. Immerhin, denn eigentlich war die Stellung immer noch kaputt.

Alle Gewinnstellungen verbaselt, aber immer noch 1-0 bzw. 2,5 – 1,5. Aber die ausgeglichenen Stellungen machten es nicht besser: Maurice lief in eine blöde Kombination, Kiara in ein blödes Endspiel – und damit stand es 2,5 – 3,5. Über das Ergebnis wären wir vorher nicht traurig gewesen, da Raesfeld wirklich eine gute Truppe hat – aber nach dem Gang der Partien waren wir doch etwas niedergeschlagen.

In der Woche danach sollte „eigentlich“ die U16 spielen, dort wurde aber die Saison aufgeschoben. D.h. man hat einen zusätzlichen Termin im April angesetzt und schiebt alle Termine um einen Monat nach hinten, in der Hoffnung, so in der Corona-Welle zumindest eine Runde zu sparen. Ich wünschte, man hätte auch bei den Seniorenmannschaften so maßvoll reagiert und mit der Neuterminierung gleich gezeigt, wie es weiter geht.

Damit ging es erst heute (13.Februar) ins beschauliche 8000 Einwohner zählende Reckenfeld, einem Ortsteil von Greven. Seltsam: Greven spielt bei uns im Bezirk, Reckenfeld hingegen in Steinfurt. Aber in der Jugend sind wir wieder alle vereint.

Im ersten Spiel hatten wir es mit Greven zu tun. Diese brachten, wie schon bei der U20 angedeutet, in der Hauptsache junge und jüngste Spieler an die Bretter. Nach 20 min hatte Levin daher nicht nur einen halben Figurenkasten mehr, sondern auch noch das Matt auf h7 gegeben. Johann „quälte“ sich dann dreimal so lange, bis auch hier der ungefährdete Sieg feststand.

Ob Henri seinen Gegner - nach dessen „unorthodoxer“ Eröffnungsbehandlung mit Verlust von zwei Bauern für nicht viel - nicht mehr ernst nahm oder ob er wieder zu kompliziert und das auch noch zu schnell dachte: es kam eine Lawine ins Rollen und ein Klötzchen nach dem anderen verschwand, bis wir den Gegner die Fluchtfelder des Königs abzählen hörten, um zu konstatieren, dass es wohl Matt sei. Unnötig.

Kiron hatte in der Eröffnung einen Bauern gewonnen, dabei die Damen abgetauscht und dann auch noch rochieren und die Läufer und Türme gut stellen können. Sah also gut aus. Aber dann hat Kiron „komisch“ (O-Ton aus der Liveberichterstattung in die Elterngruppe) weitergespielt, so dass ich den Eindruck hatte, sein Gegner käme gut ins Spiel. Dieser opferte dann aber recht unvermittelt eine Figur für zwei Bauern – nötig war das m.E. nicht und eine wirkliche Kompensation dafür habe ich auch nicht gesehen. Beim nächsten Blick aufs Brett zog Kiron schon „lässig“ mit Mehrturm und Mehrspringer gegen ein paar Bauern das Endspiel herunter. Damit stand der Gesamterfolg fest: 3 – 1.

Im zweiten Spiel ging es dann gegen die sympathischen Gastgeber aus Reckenfeld.

Levin und sein Gegner hatten es wie immer eilig, nach einem Läuferzug murmelte der Gegner dann deutlich „Nein! … Nein, nein…“ (bitte leiser und trauriger werdende Stimme vorstellen), so dass Levin wusste, dass etwas passiert sein musste. Und nach 18 min hatte er seinen zweiten Punkt sicher eingefahren.

Bei Johann hatte ich zwischendurch aufs Brett geschaut und eine gute Stellung gesehen. Dann aber scheint die Belastung des Wochenendes (und ich meine nicht die schachliche Belastung…) durchgeschlagen zu sein, Unkonzentriertheiten gaben sich die Hand, so dass die Partie leider schnell verloren ging.

Mit Unkonzentriertheiten hatte auch Kiron zu kämpfen, der nach eigener Aussage „zum ersten Mal Caro-Kann gegen 1. d4 gespielt“ hätte. Ja, das machte sich bemerkbar, auch weil die Aufmerksamkeit nach den doch fast 2,5 h der ersten Partie deutlich nachließ. Im Turmendspiel mit Minusbauer (s.o.) und deutlichen strukturellen Schwächen (Bauerninseln, Doppelbauer) gab er entnervt auf.

Dafür war Henri hellwach, evtl. hatte der lokale Cola-Shop ja doch geöffnet, wer weiß! Oder der Stachel der Niederlage aus der ersten Partie saß tief. Das könnte eher so sein. Auf alle Fälle war er voll da, nahm mit, was ging, hätte – wie immer – auch mal anders abwickeln können, aber gelangte dann doch sicher in ein gewonnenes Endspiel mit Turm und Bauer gegen den nackten König. In der Stellung Weiß: König auf g6, Bauer auf f6 (deckt e7), Th6 und Schwarz: nur noch König auf f8 – konnte er, mit Weiß am Zug, einzügig mit Th8 mattsetzen, führt den Turm auch tatsächlich nach h8, zuckt, und zieht ihn wieder zurück nach h7. Der Gegner reklamiert sofort: „Losgelassen!“, der beobachtende Mannschaftsführer stimmt sofort dem Protest zu! Auf h8 losgelassen. Matt. Ausgleich, 2-2

So, spannend war´s, Spaß hat´s gemacht, auch wenn mal jemand mitfahren oder selber fahren könnte…

In zwei Wochen geht es weiter mit der U20 in Bocholt (weiter geht’s nimmer), die U16 hat Zeit bis zum 20. März, dann geht es zur Einzelrunde nach Heiden (Startzeit auf 12 Uhr verlegt, aber fast genauso weit!).

Bernd Broeckmann