SC Sendenhorst 1 - SF Drensteinfurt 1    2:6

Zu keiner Zeit in Gefahr.
Am vierten Spieltag der laufenden Saison durften wir zum Nachbarschaftskampf nach Sendenhorst fahren. Ein Auswärtsspiel in Sendenhorst ist aufgrund der Distanz natürlich sehr dankbar. So haben unsere Gegner auch schon direkt bei der Begrüßung zu uns gesagt, dass sie recht neidisch seine. Sei ein Auswärtsspiel dieser Form doch fast wie ein zusätzliches Heimspiel. Allerdings hatten wir dieses Jahr das Losglück auf unserer Seite. Genauso hatten wir auch etwas mehr Glück bei unseren Ersatzkräften; aber der Reihe nach.

Andre und Joscha mussten krankheitsbedingt leider kurzfristig absagen. Glücklicherweise haben sich aber Finn und Kiara bereit erklärt, die ursprünglichen Samstagspläne über Bord zu werfen und bei unserem Spiel auszuhelfen. Angekommen in Sendenhorst haben wir erfahren, dass auch unsere Gegner mit einigem Ersatz antreten mussten. Dadurch wirkte ein erfolgreicher Mannschaftskampf auf einmal doch viel näher als ich vorher erwartet hatte; sind die Sendenhorster doch nominell die klar stärkere Mannschaft, falls sie in Bestbesetzung spielen können.

Der Mannschaftskampf fing recht ruhig an. Nach meinem ersten Rundgang sah es auf den meisten Brettern ausgeglichen aus. Die einzigen Partien, die mir etwas Sorgen bereiteten, waren die von Bernd und die von Maurice. Bernds Gegner drückte schon früh mit seinen Figuren auf Bernds Königsflügel. Und bei Maurice hatte sich früh die e-Linie geöffnet. In der Variante kann Schwarz gelegentlich auch ordentlich unter Druck geraten. Auf der anderen Seite stand Finn direkt mit Allem, was er mobilisieren konnte, vor dem König seines Gegners. Und auch bei mir und Marco sah es gut aus. Bei meinem Gegner standen die Figuren nach der Eröffnung alle etwas konfus und Marco sah von der Bauernstruktur und vom Figurenspiel einfach gesünder aus als sein Gegner.
Den Anfang machten dann Tilly und Maurice, ganz im angekündigt ruhigen Stil. Tillys Partie hat mich etwas überrascht. Die Eröffnung war sehr ruhig und positionell, obwohl doch beide Spieler eigentlich taktisches Spiel bevorzugen. Ich dachte zuerst, dass beide schnell keine Lust mehr hätten und man sich auf ein schnelles Remis einigen würde. Gerade als sich die Stellung öffnete und es nach taktischen Einschlägen aussah (und ich das Gefühl hatte, dass jetzt doch der Spaß der beiden Kontrahenten an der Partie geweckt sein müsste) einigte man sich tatsächlich auf Remis, allerdings aus einem anderen Grund als der von mir erwartete. Tilly bot Remis, weil er das Gefühl hatte, dass er auf lange Sicht untergehen würde. Sein Gegner hingegen hatte die Befürchtung, dass Tilly mit doppeltem Figurenopfer sofort gewinnen würde und nahm das Remisangebot an. (0,5:0,5)
Maurice war vorsichtig und wurde nicht auf der e-Linie überrumpelt. Stattdessen konnte er nach einiger Zeit sogar die aktiveren Figuren reklamieren. Einen hinreichenden Vorteil sah Maurice aber auch nicht und so ging man auch hier friedlich auseinander. (1:1)
Zeit für einen weiteren Rundgang. Inzwischen war Bernd stark unter Druck und einen Bauern musste er zum Schutz des Königs auch spucken. Ebenfalls unter Druck war Kiaras Damenflügel. Im frühen Mittelspiel stand sie meiner Meinung nach noch eher besser, doch inzwischen hatte ihr Gegner einen starken Bauern auf der sechsten Reihe. Bei Finn hatte ich das Gefühl, dass er nicht so richtig Fortschritte machte und außerdem war mir die ganze Stellung auch viel zu wild, um mir da ein vernünftiges Urteil zu bilden. Bei David hatte ich das Gefühl, dass immer noch gar nichts los war. Und Marco hatte durch einen Läuferspieß eine Qualle ergaunern können. Bei mir hatte sich noch nicht viel zum ersten Rundgang verändert. Fazit des zweiten Rundgangs: leichte Tendenz für uns, aber noch keine Partie so richtig eindeutig.
Doch dann purzelten die vollen Punkte alle innerhalb kürzester Zeit. Marco hatte, wie bereits erwähnt, eine Qualle mehr. Sein Gegner hatte noch eine böse Mattdrohung aufgestellt, die Marco jedoch mit einem Bauernopfer abwenden konnte. Danach reichte das Mehrmaterial zum Sieg. (1:2)
Kiara brachte uns noch einen Schritt weiter in Richtung Sieg. Der Druck ihres Gegners verpuffte schnell, nachdem er ein Schach mit Figurenverlust übersah. Lediglich Kiaras Zeit bereitete mir noch etwas Sorgen. Doch Kiara blieb ruhig und brachte erst das Mehrmaterial über die Zeit und dann den Punkt auf unser Konto. (1:3)
Leider musste als nächstes Bernd die Waffen strecken. Sein Gegner stand mit allen Schwerfiguren vor Bernds Haustür und wie es in solchen Situationen kommen muss: Material geht verloren und die Stellung bricht früher oder später zusammen. (2:3)
Inzwischen war bei mir die Zeit etwas knapper geworden und deshalb habe ich auf den Brettern von Finn und David nur noch wenig mitbekommen. Mir ist lediglich aufgefallen, dass die beiden irgendwann nicht mehr in den Raum zurückkamen. Sehr erfreut war ich dann, als mein Gegner seinen Kollegen fragte wie es stehe und dieser „5 zu 2 gegen uns“ antwortete. Das hieße wohl, dass beide gewonnen hatten. Finn hat mir später noch gezeigt, wie seine Partie zu Ende ging. Ein weit vorgerückter Zentrumsbauer öffnete die letzte Linie gegen den König seines Gegners. Danach drohten die Türme mit einem ganz bösen Matt, inklusive Damenopfer. David hingegen konnte sich einen Mehrläufer erarbeiten und nachdem sich ein letztes Turmpaar tauschte, standen drei Bauern dem Läufer und ebenfalls drei Bauern gegenüber, was seinen Gegner überzeugte. (2:5)
Also war es meine Partie, bei der es noch galt, den schon lange klaren Vorteil in einen vollen Punkt umzumünzen. Trotz meiner dauerhaft vorteilhaften Stellung blieb nach dem Übergang ins Endspiel nicht mehr als ein mickriger Bauer Mehrbauer übrig. Dennoch hatte ich am Damenflügel einen weit vorgerückten Bauern und am Königsflügel den Mehrbauern. Die ein oder andere Chance für einen direkten Sieg ließ ich dann noch verstreichen. Schließlich war es aber der Druck am Damenflügel, der dafür sorgte, dass meine Königsflügelbauern problemlos voranschreiten konnten. (2:6)

Alles in allem ein schöner und vor allem souveräner Mannschaftskampf. Da Münster 5 gleichzeitig gepatzt hat, geht es am 14.01. im Nachholspiel gegen Billerbeck überraschenderweise sogar um die Herbstmeisterschaft!
Yannic Bröker