SC Falke Saerbeck – SF Drensteinfurt 14:18
Eine starke Leistung als Team
Der zweite Spieltag der Saison führte uns nach Saerbeck. Da wir mit Andre und Arne zwei Ausfälle für diesen Spieltag hatten und in diesem Jahr zu neunt in der ersten Mannschaft aufgestellt sind, brauchten wir einen Ersatzspieler. Also habe ich Alex gefragt, der sich den Termin auch direkt notierte und wie immer zuverlässig für uns gescort hat. Doch ich greife mal wieder vorweg. Denn Alex hatte heute einen langen Tag vor sich. Also der Reihe nach:
Die erste Entscheidung an diesem Spieltag fiel an meinem Brett. Ich habe in der Eröffnung etwas ungenau gespielt und hatte bereits nach wenigen Zügen die Befürchtung, dass ich heute lange leiden müsste. Doch mein Gegner spielte in der Folge etwas zu langsam und ließ mich zurück ins Spiel kommen. Als wir dann noch ein weiteres Figurenpaar zu meinen Gunsten abgetauscht bekamen, erhielt ich etwas Angriff gegen den gegnerischen König. Mein Gegner hat den Angriff wohl etwas unterschätzt und während er Material am Damenflügel abgraste, standen plötzlich alle meine Schwerfiguren direkt vor der Tür des Monarchen. (1:3)

Doch die Gegner hatten den direkten Gegenschlag parat. Bei Kiron gab es einen großen Teil der Partie ein recht interessantes Ungleichgewicht. Kiron hatte 2 Türme und sein Gegner dafür Turm, Läufer und Springer. Da die Leichtfiguren seines Gegners durch Bauern zementiert waren, war es schwierig, die Türme gut ins Spiel zu bekommen. Letztlich konnte Kirons Gegner alle Figuren abtauschen und dabei sprang ein Mehrbauer raus. Zu allem Überfluss war der Mehrbauer (3 gegen 2) auch noch auf der für die Könige abgewandten Seite. Kirons Gegner bildete dort einen Freibauern und die Konsequenz war, dass Kirons König einmal über das ganze Brett hätte laufen müssen, um diesen aufzuhalten, während sein Gegner auf der anderen Seite alle Bauern verputzt hätte. Das wollte sich Kiron nicht länger ansehen und gab auf. (4:4)
Für die erneute Führung konnte wenig später Kiara sorgen. Ihr Gegner war in eine Isolanistellung gelaufen und hatte dafür gutes Gegenspielt. Jedoch verlor ein größerer Abtausch als Folge eines Turmmanövers die Qualle. Die Minusqualle in Kombination mit einer schwachen Grundreihe führten dazu, dass Kiaras Gegner letztlich auch seine Angriffsvorteile einbüßte. Erneute Grundreihenprobleme führten dann sogar dazu, dass noch mehr Material verloren zu gehen drohte und nachdem Kiaras Zeitnot beendet war, gab ihr Gegner auf. (5:7)

Zum ersten Mal dachte ich, dass hier heute wirklich etwas gehen könnte. Wir lagen bereits einen Punkt vor, Nico stand aktiv und hatte einen Mehrbauern, Tim stand ebenfalls sehr gut, bei Maurice war ich mir unsicher, David konnte trotz eines Minusbauerns Druck erzeugen und bei Alex war unklar, ob sein Raumnachteil zu einem Problem werden könnte.
Kurz darauf segelten Tim und Maurice in den sicheren Remis-Hafen. Tim konnte einen gedeckten Springer auf d3 festnageln und es sah so gut aus, dass sein Gegner mir später sagte, dass er zwischenzeitlich gar nicht weiterspielen wollte. Doch es war schwierig, Fortschritte zu erzielen und als Tim in Zeitdruck geriet, fand er keinen passenden Ausmacher. Daher einigte man sich auf Remis. Maurice auf der anderen Seite hatte aus meiner Sicht etwas unharmonisch postierte Figuren. Doch prinzipiell konnte er mit ein paar Springerzügen ungefährdet alles entknoten und stand wohl am Ende eher gut. Sein Gegner hatte einen Freibauern auf a5 und es war nicht ganz klar, ob der stark oder schwach war, sodass man auch hier das friedliche Ende wählte. (9:11)
Für die Vorentscheidung sorgte David. David hatte schon länger einen Minusbauern, jedoch war die Verteilung der Bauern für ihn vorteilhaft. Es war ein Endspiel mit jeweils Turm, Springer und Bauern entstanden, bei dem sein Gegner 3 zu 1 Bauern auf der Seite der Könige und David 3 zu 2 Bauern auf der anderen Seite hatte. David tauschte die Bauern am Damenflügel, sodass dort nur noch sein Freibauer existierte. Ich war mir erst nicht sicher, ob dieser schnell genug werden konnte. Doch den entscheidenden Vorteil sicherte sich David, indem er für eine schwache Grundreihe seines Gegners sorgte. Die Bauern standen auf f6, g7 und h7, was eigentlich ok ist. Doch Davids Springer nahm im richtigen Moment das Feld f7 ins Visier, und die Mattdrohung auf der Grundreihe kostete letztlich den Springer seines Gegners. Mit mehr-Springer konnte David den Freibauern weiter nach vorne schieben und als der Bauer die 7. Reihe erreichte, gab sein Gegner auf. Die Konsequenz wäre wohl gewesen, dass sich die Türme getauscht hätten und am Ende Davids Springer plus g-Bauer gegen einen gegnerischen h-Bauern verblieben wären, was immer reicht. (10:14)

Es war nun klar, dass ein Remis für den Sieg reichen sollte, was mehr als realistisch schien. Sowohl Nico als auch Alex hätten noch etwas Risiko nehmen können, um auf Sieg zu spielen, doch sie wickelten so ab, dass eine Niederlage unrealistisch war:
Nicos Gegner hatte zwischendurch bedrohlich aussehenden Königsangriff auf der H-Linie, doch dafür gewann Nico einen Bauern und hatte besseres Figurenspiel im Zentrum. Nachdem der gegnerische Angriff abgewehrt war, schien die Stellung von Nicos Gegner sehr wackelig. Doch statt das Endspiel mit Risiko und guten Siegchancen zu wählen, entschied Nico sich, den Freibauern des Gegners zu schlagen und so fast alles runter zu tauschen. Es verblieb ein Endspiel mit jeweils einem Springer und 3 zu 2 Bauern. Doch Nicos Mehrbauer war rückständig und hätte niemals ziehen können. Nico probierte es noch ein paar Züge, ehe er seinem Gegner Remis anbot. (12:16)
Alex wickelte sein Mittelspiel so ab, dass er am Ende mit einem Springer gegen einen Läufer und ausgeglichener Bauernanzahl überblieb. Sein Gegner hatte einen gedeckten Freibauern, den Alex mit seinem Springer blockierte. Doch da der Springer von dort aus selbst Bauern angriff, auf die der Läufer seines Gegners ein Auge werfen musste, war das nicht problematisch. Gleichzeitig war es für beide Seiten nicht leicht, mit den Königen über die Mittellinie zu gelangen, da noch genügend Bauern auf dem Brett standen. Somit war nicht klar, wie irgendjemand hier Fortschritte machen sollte. Alex‘ Gegner bot, nachdem der Mannschaftskampf entschieden war, Remis an. Alex überlegte kurz, hatte aber dann auch wenig Lust, zu so später Stunde noch zu versuchen, Wasser aus einem trockenen Stein zu quetschen. (14:18)
Alles in allem war es ein Mannschaftskampf mit einer geschlossen starken Teamleistung. So kann es gerne weitergehen!
Zum nächsten Spieltag erwarten uns am 21.11. die Schachfreunde aus Beelen, die sich bereit erklärt haben, das Heimrecht mit uns zu tauschen. Denn an dem Tag findet im Kulturbahnhof die jährliche Drensteinfurter Playstation statt.
Yannic Bröker
